Kultur Münster
Brüllen, zetern und wegschubsen

Dienstag, 09.02.2010, 18:02 Uhr

Münster - Es ist eine klassische Geschichte, die sich die deutsche Dramatikerin Dea Loher vor rund zehn Jahren für ein zeitgenössisches Stück ausgesucht hat. Es ist der Mythos der Medea, in dem es in immer wieder neuen Interpretationen doch stets um das Grundmuster der rächenden Frau geht, die vor Kindsmord nicht zurückschreckt.

Das Stück „Rache ist süß“ hatten sich die Akteure vom Theaterlabor der Universität ausgesucht. In der dichten, engen Atmosphäre des Theaterlabors feierte es jetzt Premiere. Die „Manhattan Medea“, exzellent dargestellt von Eva Schröer , sucht nach ihrem ehemaligen Verbündeten Jason. Dieser hat sich jedoch bei der jungen Claire, Tochter der Unterweltfigur „Sweatshopboss“ (Katarzyna Salski), eingeschmeichelt. Bald ist Hochzeit. Für ihn ist es die Chance, in eine bessere Welt aufzusteigen, raus aus dem Dreck in den zwielichtigen Niederungen der New Yorker Halbwelt. Doch Medea ist hartnäckig, sie will Jason noch mal sprechen.

Diese Szene entwickelt eine unglaubliche Wucht. Medea ist furios, sie erinnert Jason an den gemeinsamen Mord auf dem Schiff nach Amerika , sie erinnert ihn an die Liebe, an das Kind. Doch Christoph Spielmann gibt einen coolen, abgeklärten Jason. Herablassend faselt er etwas von „Not“ und „Umständen“. Doch die Fassade bröckelt. Jason brüllt Medea an. Er merkt, er liebt sie noch. Doch er kehrt nicht um, er hat sich entschieden. Medea auch - sie plant den Mord. In der inneren Dynamik dieser Schlüsselszene zeigen die Schröer und Spielmann ihr ganzes Können: Unglaublich perfektioniert das Auf und Ab ihrer Gefühlsregungen, das Gebrüll, das Gezeter. Auch die Kampfszenen, das Wegstoßen, Zerren und Fallen, geschieht auf begeisternd hohem Niveau.

Der Transvestit und einzige Verbündete Medeas, Deaf Daisy, mit der abgeklärten Traurigkeit einer solchen Figur von Hans-Jakob Rausch gespielt, besorgt ein vergiftetes Hochzeitskleid für Claire. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. In der Schlussszene das Unvermeidliche: Medea nimmt ein letztes Mal ihr Kind an die Hand. Sie schwört Liebe, und würgt es zu Tode.

Nicht nur Schröer und Spielmann zeigen 70 Minuten lang großes Schauspiel. Auch Nebenfiguren wie Sweatshopboss und sein Leibwächter Velazquez werden gut dargestellt von Jörn Köster und Philipp Ron­stedt. Daneben passen das Setting von Musik, Bühnenbild und Lichtsetzung bis hin zum tänzerischen Intro von Katarzyna Salski. Eine perfekte Inszenierung von Enrico Otto.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/297791?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597177%2F696354%2F
Nachrichten-Ticker