Nachrichten Münster
Abendvisite: „Hygiene kostet richtig Zeit“

Mittwoch, 10.02.2010, 19:02 Uhr

Münster - Pocken und Ruhr, Cholera und Tuberkulose - Krankheiten, die Millionen Menschen das Leben gekostet, die Angst und Schrecken verbreitet haben. Sie sind längst besiegt. Doch an ihre Stelle sind neue Infektionen getreten: Aids, Noro-Viren, Hepatitis, Krankenhaus-Keime. Sind die Menschen ihnen hilflos ausgeliefert? „Nein“, ist Privatdozent Dr. Alexander Friedrich überzeugt. In welchen Wellen die Erreger in Deutschland und der Welt auftreten, wie sie sich ausbreiten und wie jeder sich schützen kann, das erläuterte der Facharzt für Hygiene vom Universitätsklinikum Münster den Zuhörern in der Abendvisite am Dienstag.

Sein Credo: die persönliche und die öffentliche Hygiene. Kein Mensch lebt unter einer isolierten Glocke und ist damit unverwundbar, betonte der Fachmann: „Es gibt keinen Maximalschutz.“ Aber: „Wir haben unsere Hände überall“, verwies er auf den gefährlichsten Übertragungsweg. Menschen drücken einander freundlich die Hand, fassen an Türklinken, benutzten Tastaturen, Handys und Lichtschalter - und hinterlassen überall ihre Spuren. Der nächste, der damit in Berührung kommt, übernimmt Viren, Bakterien, Keime. Und der, der über ein geschwächtes Immunsystem verfügt, der wird schnell krank. Die Desinfektion der Hände, aber auch von Oberflächen und Geräten biete also auf jeden Fall einen großen Schutz.

Hygiene sei aber nicht mal so eben nebenbei zu erledigen, richtige Hygiene koste richtig Zeit. Beispiel Krankenhaus: Auf der Intensivstation müssten Mitarbeiter eigentlich rund 100mal pro Tag 30 Sekunden lang ihre Hände desinfizieren. Damit würden 50 Minuten für diesen Zweck verbraucht. „Wer hat die Zeit bei dem Personalschlüssel?“ Zu wenig Personal, zu wenig Hygiene, zu viel Antibiotika - in diesem Kreislauf könnten sich Krankenhauskeime wunderbar ausbreiten, warnte der Experte. Wer ins Krankenhaus müsse, dem riet er, auf das Euregio MRSA-Siegel zu achten - es stehe dafür, dass in den betreffenden Häusern die Richtlinien umgesetzt würden. Das gelte für das Universitätsklinikum, so betonte er auf Nachfrage, das gelte aber auch für die Krankenhäuser im Münsterland.

Auch die Jahreszeit sei ein - allerdings unabwendbares - Risiko für Krankheiten. Angelehnt an den Hygieniker-Spruch „Im Mai ists vorbei“ machte er deutlich, dass die Winterzeit die klassische Grippe- und Noro-Viren-Zeit sei. Auch im Februar - Beiname römischer Fiebermonat - sei eine Welle zu erwarten.

Zum Thema Impfung bezog Dr. Friedrich klar Stellung, nach welchen Kriterien man sie betrachten solle. Wer profitiert davon? Zunächst mal die Risikopatienten, dann die Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten und auch die diejenigen, die öffentliche Sicherheit und Ordnung gewährleisten: Polizei und Feuerwehr. Auf jeden Fall, so warnte der Mediziner, solle man sich nicht mit Fieber und ansteckenden Krankheiten zur Arbeit schleppen und damit für eine weitere Verbreitung der Krankheit sorgen. „Betroffene müssen zu Hause bleiben“, forderte er auf, über die Konsequenzen eines falsch verstandenen Pflichtgefühls nachzudenken.

Das Immunsystem zu stärken sei wichtig, achtsam mit sich selbst umzugehen ebenso. Händewaschen müsse dabei in Fleisch und Blut übergehen: „Das ist genauso selbstverständlich wie der Sicherheitsgurt beim Autofahren.

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