Nachrichten Münster
„Aufklärung ohne Tabus“

Donnerstag, 25.02.2010, 20:02 Uhr

Münster - Über Missbrauchsfälle in der Kirche sprach WN-Redakteur Martin Kalitschke mit der katholischen Theologin Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins. Die Sozialethikerin forscht am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität.

Ein Pater aus Hiltrup hat gestanden, vor Jahrzehnten sexuelle Übergriffe in Homburg begangen zu haben. Wie sollten sich die Hiltruper jetzt verhalten?

Heimbach-Steins: Der betroffene Geistliche ist in der Verantwortung. Er sollte die Karten auf den Tisch legen und sich offenbaren, ob es auch in Hiltrup Übergriffe gegeben hat. Aufarbeitung ist das Gebot der Stunde.

Sie glauben, dass Missbrauch in der Kirche ein verbreitetes Phänomen ist.

Heimbach-Steins: Richtig, es geht nicht um wenige Ausnahmefälle. Schauen Sie sich an, was in den USA und in Irland bekannt geworden ist. Auch in Deutschland werden immer neue Fälle bekannt. Das ist quantitativ nicht zu unterschätzen.

Welche Folgen hat das für die katholische Kirche ?

Heimbach-Steins: Der Schaden für die Kirche ist erheblich. Er muss jetzt durch Aufklärung und strafrechtliche Verfolgung sowie Wiedergutmachung begrenzt werden, das ist unerlässlich. Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen den Problemen ins Auge schauen und sich fragen, was dahinter steckt.

Was steckt denn dahinter?

Heimbach-Steins: Es gibt eine ganze Reihe von Gründen. Ich denke, dass Missbrauch vor allem mit der nicht gereiften Sexualität mancher Erwachsener zusammenhängt, die auch nicht erwachsen gelebt wird.

Welche Rolle spielt der Zölibat?

Heimbach-Steins: Die Kirche muss sich fragen, wie im priesterlichen Leben ein gesunder Umgang mit der Sexualität gepflegt und das Bedürfnis nach Geborgenheit, Fürsorge und Liebe unter Klerikern kultiviert und verantwortungsvoll gelebt werden kann. Das Problem vollständig auf den Zölibat zu schieben, ist falsch. Schließlich kommt Missbrauch auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen vor.

Was sollte jetzt weiter geschehen?

Heimbach-Steins: Die Missbrauchsvorwürfe müssen von der Oberfläche her voll und ganz aufgeklärt werden. Und dabei darf es keine Tabus geben.

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