Sonstiges
Anspruchsvolle Integration

Montag, 08.02.2010, 09:02 Uhr

Mit Forschungsprojekten wie im Exzellenzcluster Religion und Politik, auch in der Ausbildung islamischer Religionslehrer empfiehlt sich die Universität Münster , ein besonders schwieriges, umstrittenes und hierzulande auch bislang wissenschaftlich kaum ausgeleuchtetes Feld zu betreten. Die Erfahrungen, etwa mit der Etablierung des Faches islamische Religionslehre, werfen ein Licht auf die prinzipiellen Schwierigkeiten, die das politische System der Bundesrepublik damit hat, die Muslime in Deutschland institutionell zu integrieren.

Bekanntlich riefen muslimische Verbände 2008 zum Boykott von Prof. Muhammad Kalisch auf, der zuvor durchaus mit ihrer Billigung die islamische Religionslehrer ausgebildet hatte. Seine Sichtweise des Islam war nicht mehr genehm. Jetzt sollen die im Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland vereinigten Verbände dem Personalvorschlag der Universität für die Besetzung einer Professur zustimmen, die nun diese Aufgabe übernehmen soll. Über den Stand der Verhandlungen im Innovationsministerium ist nur so viel bekannt, dass sie zum Semesterende hätten abgeschlossen werden sollen.

Der Islam ist eine sehr heterogene Religion ohne institutionelle Bindung. Selbst wenn der Koordinierungsrat nun seine Zustimmung geben und Mouhanad Khorchide berufen werden sollte, ist das keine Garantie dafür, dass die Ausbildung der islamischen Religionslehrer störungsfrei laufen wird. Das Kräftegefüge der einzelnen Verbände unter den Muslimen in Deutschland kann sich ändern. Und andere Gruppierungen als die jetzt an der Entscheidung beteiligten könnten künftig erneut Fundamentalkritik an Lehrmeinungen äußern und den Studiengang diskreditieren.

Bei alledem gibt es aber keine Alternative dazu, die etwa vier Millionen Muslime in Deutschland in das staatliche System einzubinden. Eine anspruchsvolle Aufgabe.

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