Hochschule Münster
Arbeiterkinder an der Uni benachteiligt

Mittwoch, 03.03.2010, 11:03 Uhr

Münster - Ihre Publikation hat einen provokanten Namen: „The Dishwasher“. Das Bild vom Tellerwäscher, der sich aber nicht zwangsläufig zum Millionär hocharbeitet, sei nicht übertrieben, sagt Andreas Kemper . Er gehört zum „Referat für studierende Arbeiterkinder“ im AStA der Uni - und hat mit seinen Mitstreitern jüngst von sich Reden gemacht. Das Referat hat sich bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes beschwert: Bei der Forschung über Benachteiligung an den Hochschulen komme das Thema der Diskriminierung durch soziale Herkunft gar nicht vor.

Als Sohn von Textilarbeitern wisse er, wovon er rede, sagt Kemper, und fügt hinzu, dass die Benachteiligung von Studenten aus eher bildungsfernen Elternhäusern schwer in Daten und Fakten zu fassen sei. Einige Zahlen allerdings sprächen für sich: Während Kinder aus Familien mit eher niedrigen Sozialstatus in der gesamten Bevölkerung 48 Prozent eines Altersjahrgangs ausmachten, fänden sich in Münster nur zwölf Porzent aus dieser Gruppe an der Hochschule wieder. In Deutschland nehmen 86 laut Kemper von 100 Kindern aus Akademikerfamilien ein Studium auf, aber nur 23 Kinder von Eltern ohne akademischen Abschluss.

„Viele Themen, die für Kinder aus bürgerlichen Verhältnissen selbstverständlich sind, gehen an uns vorbei“, bemängelt der AStA-Referent. So sei er, der jetzt promoviert, nie auf die Idee gekommen, ein Stipendium zu beantragen. „Hochschullehrer gehen mit Studenten aus der eigenen sozialen Gruppe bevorzugt um“, meint Kemper und macht dabei auch Unterschiede in den Fächern aus. Während Studenten aus Nicht-Akademiker-Familien in Sozialwissenschaften besser integriert seien, bekomme man als angehender Jurist „viel deutlicher die Klassenunterschiede zu spüren“.

Dass der Nachwuchs von Professoren gern an der Hochschule von Vater oder Mutter landen und von den Eltern auch gehörig gecoacht werden, hat kürzlich ein Wissenschaftler aus diesem Kreis bestätigt. Auf Spiegel-Online räsonnierte der Rechtswissenschaftler Prof. Thomas Hoeren von der WWU in einer Glosse genau über dieses Thema. Hoeren selbst bezeichnet sich darin als Sohn aus einfachen Verhältnissen.

Andreas Kemper und seine Mitstreiter Tobias Fabinger und Reiner Steinmel wünschen sich derweil, dass das Thema überhaupt von der Leitung der WWU wahrgenommen wird: „Warum sollten nicht der Hochschulrat oder der Senat über die Benachteiligung von Arbeiterkindern diskutieren?“

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