Kultur Münster
Kostbarkeiten Westfalens ans Licht holen

Donnerstag, 04.03.2010, 13:03 Uhr

Münster - Sie sind überaus große Kostbarkeiten aus Westfalen und führen doch ein Schattendasein. Das soll eine Ausstellung ändern. Wie es im jüngsten Kulturausschuss des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hieß, soll im Glanz von Gold, Silber und Edelsteinen ein bedeutendes Kapitel westfälischer Kunst- und Kulturgeschichte zu neuem Leben erweckt werden.

Die Ausstellung „Goldene Pracht“ über mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen wird sich in Münster vom 26. Februar bis 28. Mai 2012 erstmals den vielfältigen (kunst-)­his­torischen, sozialen, funktionalen und technischen Facetten dieser bislang wenig bekannten Kostbarkeiten widmen. Sie ist ein Kooperationsprojekt des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, des Bistums Münster und des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität .

Die europäische Kulturlandschaft Westfalen verfügt über einen besonders reichen Schatz an mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten. In den erblühenden Bischofs- und Hansestädten dieser Region entstanden seit dem 13. Jahrhundert Werke von hohem künstlerischen Rang: prächtige Reliquienschreine und Reliquiare, aufwendig gestaltete liturgische Geräte wie Kelche und Monstranzen, Kruzifixe, Buchdeckel, Mantelschließen, weltlicher Schmuck und Ratssilber. Einzigartig ist die große Anzahl figürlicher Arbeiten, insbesondere vergoldeter Silber-Statuetten.

So faszinierend diese Goldschmiedearbeiten sind, so wenig sind sie im Bewusstsein der Öffentlichkeit gegenwärtig, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein wesentlicher Aspekt der religiösen und politischen Geschichte Westfalens ist bislang kaum erschlossen, obwohl die Stiftung, Inszenierung und Symbolik von Reliquiaren und liturgischen Gerätschaften im Mittelalter eine entscheidende Rolle bei der Identitätsbildung von Städten und geistlichen Territorien spielte.

Die Ausrichtung einer Ausstellung im Museum des Landschaftsverbandes und der Domkammer soll einen Beitrag zum besseren historischen Bewusstsein und zur kulturellen Identität in Westfalen leisten. Das Projekt möchte den fast ausgelöschten Spuren einer herausragenden Kunstgattung nachgehen und ein Kapitel westfälischer (Kunst-)Geschichte lebendig machen.

Bislang widmete man sich Werken der mittelalterlichen Goldschmiedekunst überwiegend aus kunstwissenschaftlicher Perspektive mit dem Ergebnis, dass diese Gattung dem Kunsthandwerk zugeordnet wurde und neben Tafelmalerei oder Skulptur ein Schattendasein führte. Zumeist fehlte die Einbindung der Goldschmiedearbeiten in ihren historischen Kontext, so dass ein Verständnis ihrer politischen, sozialen und symbolischen Bedeutungsebenen verhindert wurde.

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