Hochschule Münster
Kalisch ist kein Muslim mehr

Donnerstag, 22.04.2010, 06:04 Uhr

Münster - Als er 2004 nach Münster berufen wurde, als erster Professor für islamische Theologie an einer deutschen Hochschule, machte Muhammad Sven Kalisch mächtig Furore. Für noch mehr Aufmerksamkeit sorgte er, als er 2008 öffentlich die historische Existenz des Propheten Mohammed anzweifelte und ihn daraufhin Morddrohungen erreichten.

Gestern wurde bekannt, dass Kalisch kein Muslim mehr ist. Den Vornamen Muhammad hat er abgelegt; Kalisch nennt sich jetzt auf seiner Homepage nur noch Sven - so, wie ihn seine deutschen Eltern genannt haben.

Seine Abkehr vom Islam habe Kalisch kürzlich in einer E-Mail an das Rektorat und in Gesprächen mit Universitätsrektorin Ursula Nelles formuliert, sagt Norbert Robers , Sprecher der WWU. Für Kalischs Beschäftigung als Professor der WWU habe dies keine Konsequenzen. Die Universität informierte lediglich das Innovationsministerium. „Der Schritt hat keine Auswirkungen auf den Beamtenstatus, alles andere entscheidet die Universität als Dienstherr“, heißt es dort.

Für Kalisch und die Universität stelle sich nun die Frage, ob die islamische Theologie noch das richtige Arbeitsgebiet für ihn sei, erklärt Robers: „Der Lehrstuhl könnte umgewandelt werden.“ Hierzu sollen in der nächsten Woche Gespräche stattfinden.

Kalisch selbst war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Seit dem Streit mit den islamischen Verbänden lebt er besonders zurückgezogen. Die Universität teilt die Adresse seines Büros nicht mit, draußen gibt es kein Türschild. Aus der Ausbildung der islamischen Religionslehrer zog ihn die Hochschule ab.

Nachdem hier mehrere Semester Ersatzkräfte gelehrt haben, hat der Islamkundler Mouhannad Khorchide im April die Ausbildung der angehenden muslimischen Religionslehrer übernommen. Der Favorit der Uni für die vom Land zusätzlich bewilligte Professur konnte vorerst aber nur als Gastprofessor engagiert werden.

Denn die muslimischen Verbände sollen bei der Besetzung des Lehrstuhls mitreden, haben sich aber bisher nicht geäußert, heißt es im Ministerium. Im Uni-Senat soll Khorchide am kommenden Mittwoch endgültig berufen werden. Norbert Robers: „Wenn die muslimischen Verbände sich einbringen wollen, dann sollten sie das jetzt tun.“

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