Hochschule Münster
Mouhanad Khorchide: der neue Islamprofessor

Sonntag, 25.12.2011, 00:39 Uhr

Münster - Als sein Name erstmals im Zusammenhang mit seinem neuen Job fiel, war die Rede vom „Mann für den heißen Lehrstuhl“. Jetzt ist Dr. Mouhanad Khorchide in Münster, hat ein winziges Dachstübchen im Centrum für religiöse Studien bezogen, die wichtigsten seiner arabischen Bücher ordentlich in die Regale gestellt. Die Fragen nach dem Gefahrenpotenzial seiner neuen Stelle, der Professur für islamische Religionspädagogik, kennt der 38-Jahre alte Theologe und Soziologe zur Genüge. Khorchide, der die Stelle übernimmt, die seinem Vorgänger und jetzt ganz vom Islam abgewandten Prof. Sven Kalisch großen Ärger bis hin zu Morddrohungen von muslimischer Seite einbrachte, lächelt und winkt ab: „Ich stelle bestimmte Grundsätze des Islam nicht infrage“, betont er, „nicht den Koran und nicht die historische Existenz des Propheten“.

Khorchide sieht sich als „islamischen Humanisten“. Einen aufgeklärten, liberalen Islam hat er sogar gepredigt, als Imam einer Gemeinde in Wien . „Auf Deutsch“, erzählt Khorchide, das war ihm sehr wichtig. „Wir brauchen in Deutschland und Europa eine islamische Theologie“, sagt er: Wenn hier über den Islam diskutiert werde, gehe es selten um theologische, sondern meist um gesellschaftspolitische Themen – etwa Integrationsprobleme, Moschee-Bauten oder Kopftuch-Verbot.

Die Rolle der Frau, wie sie konservative islamische Kreisen sehen, hat für Khorchide nichts mit der Religion zu tun. „Nirgendwo im Koran steht, dass Frauen ihr Gesicht verhüllen sollen, auch nicht, dass Männer über den Frauen stehen.“ Seinen Studenten, die Religionslehrer an deutschen staatlichen Schulen werden wollen, will er solche Botschaften beibringen, vor allem sein eigenes Credo von einem aufgeklärten, lebensnahen Islam: „Die Religion ist für den Menschen da, nicht umgekehrt.“ 35 junge Leute studieren gegenwärtig den Erweiterungsstudiengang, „sie haben mich sehr freundlich empfangen“, erzählt Khorchide.

Auch mit den islamischen Verbänden, die zum Boykott der Lehrveranstaltungen Kalischs aufgerufen hatten und ein formales Mitspracherecht bei der Besetzung der münsterischen Professur haben, hat er gesprochen. „Es gibt keinen Widerstand gegen mich“, sagt Khorchide.

Ihre Zustimmung haben die Gruppen aber immer noch nicht im Innovationsministerium erklärt. So wird Khorchide, der vorerst als Vertretungsprofessor eingestellt wurde, wohl am Mittwoch im Senat auch ohne diese Zustimmung gewählt. Uni-Rektorin Ursula Nelles kann sich danach nur noch einige Wochen Zeit lassen, um den Ruf endgültig auszusprechen. Notfalls auch ohne das Placet der islamischen Gruppen.

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