Nachrichten Münster
In Münster kommen kleine Meerschweinchen groß raus

Freitag, 02.04.2010, 06:04 Uhr

Münster - Der Wolf gilt als respekteinflößender als der Hund, eine Wildkatze gefährlicher als ein Stubentiger. Es gilt unter Biologen als weitgehend unwidersprochen, dass Haustiere nicht nur harmloser, sondern auch dümmer sind als ihre in Freiheit lebenden Verwandten. Nach einer neuen Studie der Verhaltensbiologen an der Universität Münster ist das ein Irrtum.

Die Meerschweinchen im Institut an der Badestraße haben jedenfalls den Gegenbeweis angetreten. Die kürzlich in einer britischen Fachzeitschrift veröffentlichten Ergebnisse der Forschungsarbeit unter Leitung von Prof. Norbert Sachser werden in der Fachwelt rege diskutiert.

Beim Meerschweinchen-Intelligenztest, bei dem die Tiere schwimmend in einem Becken den kürzesten Weg zu einer flachen Stelle finden mussten, schnitten die Hausmeerschweinchen, Stars der münsterischen Verhaltensbiologen, spürbar besser ab als ihre wilden Artgenossen.

Auch diese werden im Hof des Instituts in einem Gehege gehalten. Sie sind auch nach Generationen in menschlicher Obhut noch genauso scheu und hektisch wie ihre in Südamerika lebenden wilden Artgenossen, sagt Sachser, der die Forschungsarbeit von Torsten Pichel und Dr. Lars Lewejohann betreut hat.

Das Dasein des Meerschweinchens als Haustier fing vor etwa 5000 Jahren in seiner Heimat in Südamerika an. Dort domestizierten die Ureinwohner die wilden Meerschweinchen. Der Zweck: Sie schmecken recht gut, und es ist mehr Fleisch an ihnen, als man denkt, sagt Sachser, der in Lateinamerika schon zu einer Kostprobe genötigt wurde.

Das Leben als Haustier hat der Intelligenz der Meerschweinchen offenbar nicht geschadet, obwohl ihr Gehirn um ein Drittel weniger wiegt als das der Wildtiere, erklärt Sachsers Kollegin, Biologin Dr. Sylvia Kaiser. Sie kennt auch noch andere Besonderheiten im Verhalten der puscheligen Hausgenossen: Sie sind weniger aggressiv und stressanfällig, außerdem quieken sie mehr, kommunizieren also deutlich intensiver miteinander, als die Ur-Meerschweinchen.

Aber die müssen ja ruhig sein - wegen der Feinde. Und ein so auffälliges, schönes Fell wie die domestizierten Artgenossen, können sie sich auch nicht leisten. In der Wildnis würden sie dann auffallen wie ein bunter Hund. Wie gesagt: Meerschweinchen sind schmackhaft.

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