Sonstiges
Optimistische Trauer - getanzt

Montag, 05.04.2010, 18:04 Uhr

Münster - Der Tod senkt sich als schwarzes Tuch über die Tänzer, hüllt sie ein wie in einen Kokon , macht sie unkenntlich. Immer wieder begeben sich Helena Fernandino und Wagner Moreira unter den durchsichtigen, meterlangen Stoff, der sich der Länge nach durch das Kirchenschiff zieht. Die St.-Joseph-Kirche dient als Bühne für die beiden Tänzer, die - am Theater Görlitz engagiert - eigens für diesen Liturgischen Tanz nach Münster gereist sind. Zum Requiem op. 89 von Antonin Dvorák haben sie eine stimmige Choreografie kreiert, die das musikalische Spektrum zwischen kontemplativer Ruhe und expressiver Bewegung gekonnt in Tanz übersetzt und so die „optimistische Trauer“, die diesem Werk von Kritikern immer wieder zugeschrieben wurde, wirkungsvoll mit Ausdruck füllt.

Scheint ihn der Tod zunächst gefangen genommen zu haben, so befreit sich der Tänzer bald, um sich seiner Partnerin in Zuneigung zuzuwenden. Die Choreografie schwankt thematisch zwischen bodenzentrierter Trauer und in die Höhe strebendem Optimismus. Ästhetische Hebungen gehen über in fließend schönen, synchronen Tanz. Das Paar lässt sich von der Musik durch den Gang der Kirche treiben, wirft schließlich ein weißes Tuch in den Raum, als Kontrast zum lila Stoff des Leidens, der hier noch das Christuskreuz verhängt. Ein Sieg des Lebens über den Tod - die christliche Zeit der Entbehrung ist an diesem Karfreitag beinahe vorbei, das Osterfest steht vor der Tür.

Musikalisch hat der Cantamus-Chor unter der Leitung von Winfried Müller eine beachtliche Leistung zu Gehör gebracht, professionell unterstützt durch die Solisten Dorothe Üter (Sopran), Nicole Nothbar (Alt), Martin Hundelt (Tenor) und Gerhard Pauli (Bass). Marie-Theres Englisch bewies ihre Virtuosität am Klavier. Die Ansprache hielt Pfarrer Stefan Rau, dem es mit Hilfe von Zitaten aus Max Frischs „Fragebogen“ gelang, dem Karfreitagsthema um Tod und Sterben die Schwere zu nehmen und dennoch zum Nachdenken anzuregen. Alles in allem gelang so ein harmonisch aufeinander abgestimmter, liturgischer Abend der Künste. Das fand auch das von jung bis alt gemischte Publikum und würdigte die Vorstellung in der voll besetzten Kirche mit stehenden Ovationen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/546266?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597177%2F696351%2F
Nachrichten-Ticker