Kultur Münster
Titanic - Untergang auf Welttournee

Freitag, 28.05.2010, 18:05 Uhr

Münster - Ein Erfolg hat viele Väter: Waren es König und Bußmann mit ihren Skulptur-Projekten? Ludger Schnieder in einem Café in Cadaqués ? Tony Assmann auf dem Aasee ? Wie dem auch sei: Die Erziehungsberechtigten heißen in jedem Fall Clair Howells und Uwe Köhler . Ihr „Kind“ wurde vor 20 Jahren geboren, auf den Namen „Titanick“ getauft und hat eine Weltkarriere gemacht.

Und das kam so: Pumpenhaus-Impresario Schnieder saß mit Bernadette Spinnen (heute Münster Marketing-Chefin) in einem Café in Cadaqués, und man dachte wohl nach, wie sich der öffentliche Raum auch nach der „Skulptur ´87“ künstlerisch aufwerten ließe. So entstand die Idee zum Stadtklang-Festival. Dafür wurden Kreative gesucht. Und in Uwe Köhler und Clair Howells gefunden, die nach drei Jahren aus Rom zurückkamen. Es sollte etwas am Aasee sein. Also ruderte Köhler Stony Assmann übern See, übern See. Der schrieb seine Assoziationen auf: „Wellen. Wind. Segeln. Arche Noah . . .“ Köhler erinnert sich: „Und irgendwann kam: Titanic.“

Nach monatelangen Recherchen, drei Monaten Experimenten auf Haus Stapel in Havixbeck und „tagelang Linsensuppe“, wie sich Howells erinnert, gab es am 10. August 1990 zusammen mit den Musikern und Technikern aus Leipzig die erste Ausfahrt der Theater-„Titanic“ am Aasee. Im ersten, Schreibmaschinen geschriebenen Antrag an die Stadt hieß es „Wir ziehen es vor, nachts aufzutreten.“ Trotzdem wurden die 8000 Mark bewilligt. Eine mutige Investition ins Unbekannte. Sie hat den Namen Münster weltweit in Umlauf gebracht.

Theater Titanick hat in zwei Jahrzehnten in 290 Orten in 27 Ländern auf vier Kontinenten 30 Produktionen in 680 Open-Air-Inszenierungen vor einem Millionen-Publikum gezeigt - alleine das erste Erfolgsstück „Titanic“ 220 Mal.

Zum „Statements“-Festival ist die Pioniertat nun mit einem Pro- und einem Epilog wieder in Münster an derselben Stelle wie damals zu sehen: unterhalb der Aaseekugeln. Der Eintritt ist diesmal frei. Wer will, kann sich Paddelboote mieten.

Und Neuigkeiten gibt es auch: Am 4. August erscheint ein Buch über das Theater Titanick. Und ein Open-Air-Spektakel zum Thema Buch für die Nationalbibliotheken Frankfurt und Leipzig im Jahr 2012 ist auch in Arbeit. Das Dario-Fo-Projekt wartet auf Geld von der EU in Brüssel.

» Die Jubiläumsaufführungen finden am Freitag und Samstag (4. und 5. Juni) um 22 Uhr an den Aasee-Kugeln statt. Eintritt ist frei. Matrosen gehen mit der Spendenbüchse rum. Vorne gibt es ein paar Stühle, dann einen Teppich, dahinter Stehplätze bis zum Bürgersteig . . .

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