Nachrichten Münster
Schulessen: Münster-Modell „bedenklich“

Montag, 03.05.2010, 22:05 Uhr

Münster - Warum bringt ein Verwaltungsmitarbeiter einen Picknickkorb mit, wenn er doch über Schulessen reden will?

Klare Sache, Klaus Hermann vom Kommunalen Bildungsbüro Recklinghausens hatte den Korb dabei, weil Schüler in seiner Stadt genau solche altmodisch-britischen Bastkörbe ausleihen können, falls sie mal nicht in der Mensa, sondern draußen essen wollen. Wer über Schulessen nachdenke, gab sich Hermann modisch, müsse an Essen „to go“ denken.

Das 15. Münsterische Lebensmittelrechts-Kolloquium im Erbdrostenhof stellte am Montag ein Thema in den Vordergrund, in dem viel Wildwuchs, manche Enttäuschung und so einige Hoffnung steckt. Die Schulverpflegung. Ein Feld, so Mitinitiator und Agrarrechtler Dr. Philipp Gregor, bei dem auch rechtlich manches unklar ist.

So meinte etwa Dr. Roland Otto , Leiter der münsterischen Veterinär- und Lebensmittelkontrolle, er halte die münsterische Praxis für „rechtlich bedenklich“. Hier ist nämlich die Schulversorgung weitgehend den Schulen selbst überlassen. Otto: „Zehn Schulen kochen selbst, etwa 40 organisieren das Essen.“ Unklar sei, ob Schulen dies rechtlich eigentlich dürften.

Marion Krekel von der Verbraucherzentrale NRW zeigte auf, dass gerade erst ein Netzwerk in NRW gebildet wird, das die Qualität des Schulessens sichern soll.

Schulen, Landwirtschaft, Verwaltungen, Eltern - und auch Schüler müssten dabei mitmischen. „Dass Schulversorgung Management erfordert, wird oft unterschätzt“, sagte sie, „so finden sich bisher auch kaum Qualitätsbeauftragte.“

Der Recklinghäuser Hermann dagegen konnte von einem Projekt sprechen, das bundesweit einmalig ist. Hier wird die Schulversorgung zentral organisiert. „Wir sind das größte Restaurant der Stadt“, sagte Hermann. Zwischen 2000 und 3000 Essen täglich, 600000 im Jahr werden von der Stadt verwaltet.

Und das heißt: „Alle Schulen werden gleich behandelt.“ Essen soll nicht vom Portemonnaie der Eltern abhängen.

Die Schüler bestellen ihr Essen im Internet - und bezahlen mit Bankkarte. Hermann: „Wenn ich die Nummer weiß, kann ich auch kontrollieren, was mein Sohn gegessen hat.“

Vor allem aber: Im Grundschulbereich ist das gemeinsame Essen verpflichtend. Man hält das für eine pädagogisch wertvolle Alltagspflicht.

Wie es um die Essgewohnheit der Erwachsenen bestellt ist, zeigte eine kurze Nachfrage im Publikum. Auf die Frage, wer zu Mittag warm gegessen habe, ging kaum die Hälfte der Hände in die Höhe.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/186900?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597177%2F696343%2F
Fußgänger bewusstlos geschlagen und beklaut
Raubüberfall: Fußgänger bewusstlos geschlagen und beklaut
Nachrichten-Ticker