Kultur Münster
Jeder darf sein Herz ausschütten

Montag, 21.06.2010, 12:06 Uhr

Münster - Gut gemeint ist noch nicht gut. An diese Binsenweisheit erinnerte die Premiere des Stücks „Unter Gottes Fittiche“ der freien Schauspieltruppe „ Theaterblut Münster“ in der Petrikirche . Als „Experiment“ kündigte Autorin und Regisseurin Stefanie Bockermann diese zweite Produktion der Gruppe an.

Experimentell allerdings war höchstens der Versuch, ein Publikum bisweilen in genau die Situation zu bringen, in der sich die Protagonisten im Stück befanden. Die acht Akteure nutzten den gesamten Kirchenraum einschließlich Empore. Das Geschehen spielte sich oft inmitten der Zuschauer ab, die dadurch gezwungen waren, selbst fremde Blicke zu ertragen oder ihnen auszuweichen. Zwischenzeitlich passierte nichts. Fragende Augen auf der Suche nach Eingeweihten: Geht´s noch weiter?

Dabei war nicht immer ganz klar, worum es überhaupt ging. Ein dünner Handlungsstrang wurde mit felsenschweren Lebensfragen belastet, die zur Sicherheit nur oberflächlich abgehandelt wurden: zufällig treffen sich die gleichen Menschen immer wieder in der gleichen Kirche und kommen sich zufällig näher. Zufällig wohnt die Obdachlose Klara (Nadine Speckels) in der Kirche, in der zufällig nie ein Geistlicher auftaucht. Klara spielt sich wie eine Hausmeisterin auf, und so kommen die anderen mit ihr zufällig ins Gespräch. Ja, einmal wie Klara in der Kirche übernachten, das wäre doch mal was. So eine kleine Flucht, ein Abenteuer zusammen mit Unbekannten. Mit Nudelsalat, Sekt und Schlafsack.

Selbst der sonst um Stille bemühte Einzelgänger Robert ( Ulrich Sprenger ) ist begeistert. Und der mürrische Beamte Jochen (Markus Mischke) muss seiner Frau Rebecca (Andrea Worlitz) nachgeben. Beider Ehe ist offensichtlich von einem dunklen Geheimnis überschattet. Jana (Marina Weisband), wegen einer neuen Neurodermitis-Creme leicht müffelnd, ersehnt sich eine Romanze mit dem naiven Musiker Ansgar (Florian Tepelmann). Und Maria (Christiane Balster) und Mathilda (Alicia Neuhaus) hätten wohl auch die Einladung zu einer Swingerparty bejubelt.

Wie bei vielen vergleichbaren Stücken über einander fremde Menschen in Ausnahmesituationen kam es zu spontanen Verbrüderungen, dann zu Streit, es durfte jeder mal sein Herz ausschütten, und ein Mann lernte beten. Es fehlten originelle Ideen, die Charaktere waren nicht ausgearbeitet, die Dialoge entstammten oft der Sketchparade, das Timing war nicht stimmig. Doch nur gut gemeint.

» Nächste Aufführung am Freitag, 25. Juni um 21 Uhr in der Petrikirche

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