Kultur Münster
Mit Sahnetupfern

Freitag, 25.06.2010, 17:06 Uhr

Münster - Franz Schuberts Oktett F-Dur ist ein langes Werk. Geradezu monumentale Kammermusik in ziemlich klangstarker Besetzung: virtuos angelegt und nur für konditionsstarke Spieler zu empfehlen.

Das Oktett mit Julia Hollenberg (Klarinette), Heidrun Schulze (Fagott), Michael Koch (Horn), Mihai Ionescu und Stefan Marx (Violinen), Svenja Ciliberto (Viola), Michael Schlechtriem (Violoncello) und Renate Fischer (Kontrabass) kann sich mit diesem Werk jedoch hören lassen und zeigte sich beim Rathauskonzert am Donnerstag dieser enormen Konzentrationsaufgabe gewachsen.

Die Tempi, schon im ersten Satz angenehm kontrastierend ohne Effekt suchendes Brimborium gewählt, gefielen immer. Es gelang der starken Truppe, alle Untiefen und Höhepunkte des Werks auszuloten.

Die Klarinette sang sich fein ins folgende Adagio und glänzte auch im ganz leisen Bereich mit weicher, sicherer Ansprache. Das anschließende Scherzo mit seiner einprägsamen rhythmischen Struktur reihte sich mit erlösender Leichtigkeit daran. Hübsch tanzend kam das Menuett daher, streckenweise ein bisschen wie ein Walzer mit eindeutig wienerischem Zungenschlag im Kreise gedreht.

Nach langsam dräuender Einleitung ging es munter in den langen Schluss, die vielen Triller elegant wie ein paar Sahnetupfer obenauf gelegt. Schubert hat hier jedes Quentchen Musik aus seinen Themen gekitzelt - das flotte Oktett blieb bis zum Ende spielfreudig und konzentriert am Ball. Vorher gab es Johannes Brahms Variationen über ein Thema von Robert Schumann (op. 9), von Detlev Glanert für Oktettbesetzung eingerichtet. Die Musiker nutzen auch hier jede Möglichkeit, die Stärken und Klangfarben ihrer Instrumente solistisch herauszustellen. Am Ende blendeten sie sich, präzise auf den Punkt gebracht, elegant aus dem bunten Treiben aus.

Ein bisschen ermüdend ist diese Bearbeitung aber doch - bei aller virtuosen Farbenpracht. Denn die Musik, die Brahms ausschließlich für das Pianoforte gedacht hatte, verschwindet in Glanerts Version manchmal im bunten Gewimmel. Sogar, wenn sie so hervorragend gespielt auf die Bühne kommt wie hier im Rathausfestsaal.

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