Hochschule Münster
„Wir haben Potenzial“

Sonntag, 18.07.2010, 15:07 Uhr

Münster - Seit 15 Jahren ist Prof. Peter Funke für und in der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aktiv. Jetzt hat der Althistoriker an der Universität Münster dort das zweithöchste Amt übernommen. In der vergangenen Woche wurde er zum Vizepräsidenten der in Deutschland wichtigsten Forschungsförderungs-Organisation gewählt. 2,6 Milliarden Euro vergibt die DFG jährlich für Forschungsprojekte an deutschen Hochschulen, unter anderem organisiert sie auch die Exzellenzinitiative der Hochschulen, die soeben wieder in eine neue Runde geht. WN-Redakteurin Karin Völker sprach mit Funke über den Elitewettbewerb, seine Folgen und den Stellenwert der Forschung an deutschen Hochschulen und an der Universität Münster.

Der Exzellenzwettbewerb läuft wieder, die Uni Münster hat gerade ihr Zukunftskonzept für die Bewerbung zur Förderung als Eliteuniversität fertiggestellt. Hat Münster Chancen?

Funke: Dazu gebe ich grundsätzlich keinen Tipp ab. Ich sage nur so viel: Es gibt an der WWU viel Potenzial, aber die Konkurrenz ist auch stark.

Brauchen wir überhaupt Eliteuniversitäten in Deutschland?

Funke: Die Auswahl der Eliteunis war damals bei der Konstruktion des Wettbewerbs ein Wunsch der Politik, die auch für Deutschland eine Art Harvard anstrebte. So etwas lässt sich aber nicht von heute auf morgen schaffen. Außerdem ist unser Hochschulsystem ganz anders strukturiert als etwa in den USA.

Sind die Bedingungen für die Forschung schlechter?

Funke: Das würde ich generell nicht sagen. An unseren Universitäten, übrigens auch in Münster, gibt es exzellente Forscher, und das war auch schon so, bevor es die Exzellenzinitiative gab. Die DFG gibt beispielsweise für die Finanzierung von Sonderforschungsbereichen 400 Millionen Euro im Jahr aus, so viel wie für die gesamte Exzellenzinitiative.

Brauchen wir vielleicht den ganzen Wettbewerb nicht?

Funke: Das wäre ganz und gar der falsche Schluss. Die Exzellenzinitiative hat große Dynamik in die Forschungsaktivitäten gebracht. Zunächst schon allein durch das Bewerbungsverfahren, danach durch die Förderung. Das ist hier in Münster beim Exzellenzcluster Religion und Politik sehr gut zu beobachten.

Beim Exzellenzcluster arbeiten Sie selbst als Wissenschaftler mit . . .

Funke: Ja, und in der Tat konnte ich neulich selbst feststellen, dass vieles, was sonst sehr mühsam im Wissenschaftlerleben ist, durch die Förderung plötzlich sehr einfach wird. Ich habe jüngst einen Kongress hier in Münster durchführen können, an dem renommierte Wissenschaftler aus aller Welt teilgenommen haben. Ohne die finanzielle Unterstützung durch den Exzellenzcluster wäre der Kongress nicht zustande gekommen - die Kollegen waren von Münster begeistert.

Ist das auch ein schöner Nebeneffekt der Exzellenzförderung? Die internationalen Wissenschaftler sind von Deutschland begeistert.

Funke: Genau. Unsere Gäste waren wirklich begeistert, und einige haben auch schon angekündigt, für Forschungsaufenthalte herkommen zu wollen. Das ist auch ein Gewinn für Münster als Stadt.

Was wird sein, wenn die Förderung von Projekten des Exzellenzwettbewerbs irgendwann ausläuft? Stehen die deutschen Hochschulen dann nicht mit vielen, möglicherweise unvollendeten Projekten da, die nicht mehr weiter gefördert werden?

Funke: Zunächst sollte man davon ausgehen, dass die beantragten Projekte dann auch abgeschlossen sind. Im Übrigen wird es unabdingbar sein, dass nach dem Ende der Exzellenzinitiative die finanzielle Ausstattung der Universitäten gesichert ist. Es ist daher auch sehr wichtig, dass sich die Hochschulen nicht ausschließlich auf die Exzellenzinitiave konzentrieren, sondern sich darüber hinaus auch um Sonderforschungsbereiche, Forschergruppen oder anderer Förderungen bewerben. Übrigens haben vor allem Hochschulen bei der Exzellenzinitiative eine reelle Chance, an denen solche Forschungsverbünde bereits existieren. Und nach der Exzellenzinitiative dürften wahrscheinlich jene einen deutlichen Vorsprung haben, die sich durch die Fördergelder des Wettbewerbs besser profilieren konnten.

Viele junge Nachwuchswissenschaftler erhalten nun die Chance, sich durch Förderung der Exzellenzinitiative zu qualifizieren. Haben sie nach Ablauf der Förderungszeit eine Chance, bei den Hochschulen weiterbeschäftigt zu werden?

Funke: Das wird in der Tat nicht leicht, wenn sich in absehbarer Zeit am Dienstrecht an den Hochschulen nichts ändert. Derzeit dürfen Wissenschaftler nur längstens insgesamt zwölf Jahre auf zeitlich befristeten Stellen beschäftigt werden, sofern diese nicht aus Drittmitteln finanziert werden. Ein aktuelles Beispiel: Ich selbst würde gern einen hoch qualifizierten, aber arbeitslosen Wissenschaftler auf einer momentan freien Institutsstelle zeitlich befristet einstellen. Das geht aber nicht, weil die Zwölf-Jahres-Frist abgelaufen ist. So muss der Wissenschaftler mit seiner Familie von Hart IV leben und ich kann die Stelle nicht besetzen. Die DFG kämpft seit Langem für eine rechtliche Änderung, das ist aber sehr kompliziert.

Eine Kritik am Exzellenzwettbewerb lautet: Die Lehre für die ganz normalen Studenten kommt zu kurz.

Funke: Das stimmt so nicht. Im Münsteraner Exzellenzcluster sind nicht nur alle Projektleiter in hohem Maße in der Lehre engagiert, sondern auch viele Mitarbeiter, so dass auch die Lehre von der Exzellenzförderung profitiert. Zudem haben viele Studierende schon von Beginn ihres Studiums an die Möglichkeit, sich in die Forschung einzubringen und dort zum Beispiel als studentische Hilfskräfte mitzuarbeiten.

Hat die Uni Münster beim Exzellenzwettbewerb einen Vorteil von Ihrer Vizepräsidentschaft?

Funke: In den Gremien der DFG sind wir natürlich zu absoluter Neutralität verpflichtet. Und wenn es um Anträge aus Münster geht, dürfen Wissenschaftler unserer Universität nicht mitstimmen. Das gilt auch für den Vizepräsidenten.

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