Nachrichten Münster
Das Elend der „befristeten Stellen“

Freitag, 30.07.2010, 23:07 Uhr

Münster - Ein befristeter Job ist besser als gar keiner. Das denken sich vor allem viele Berufseinsteiger. Die Hoffnung, aus der befristeten Stelle in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis zu wechseln, wird sich jedoch für Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster in der Hauptverwaltung kaum erfüllen.

Bei internen Ausschreibungen von unbefristeten Stellen werden ihre Bewerbungen nicht berücksichtigt, bestätigt der Landschaftsverband. Bewerbungen werden lediglich auf öffentlich ausgeschriebene unbefristete Stellen des LWL akzeptiert, ergänzt ein Sprecher - und die sind absolute Mangelware.

Die Gewerkschaft Verdi hat im Landschaftsverband in Münster mit Flugblättern auf die für befristet angestellte Kollegen missliche Situation aufmerksam gemacht. Nach Ansicht von Verdi verstößt die in der Behörde gängige Praxis gegen das Teilzeit- und Befristungsgesetz, erläutert Bernd Bergmann von Verdi Münster.

Nach dem Gesetz dürfen befristet beschäftigte Arbeitnehmer nicht benachteiligt werden, der Arbeitgeber hat sogar die Pflicht, befristet Beschäftigte über entsprechende unbefristete Arbeitsplätze zu informieren,

Dennoch bleibt es zumindest in der Hauptverwaltung des LWL bei dieser Praxis, sagte ein Sprecher. Wegen des erwarteten Haushaltsdefizits von 300 Millionen Euro sei der Landschaftsverband gezwungen, sehr restriktiv bei seiner Personalplanung vorzugehen. Eine Maßnahme dabei lautet, dass befristete Arbeitsverträge grundsätzlich nicht verlängert werden.

Die Gewerkschaft Verdi beklagt nicht nur beim Landschaftsverband in Münster, sondern landesweit bei Behörden die zunehmende größere Zahl an befristeten Arbeitsverhältnissen, sagt Bernd Tenbensel von der Verdi-Landesvertretung in Düsseldorf.

Im LWL-Newsletter war kürzlich zu lesen, dass im Psychiatrieverbund des Landschaftsverbandes nur 70 von 853 neu vergebenen Stellen unbefristet waren.

„Auch in Förderschulen und Jugendeinrichtungen sind befristete Verträge die Regel“, so Tenbensel. Auch in anderen Behörden werde das befristete Arbeitsverhältnis mit Blick auf die leeren öffentlichen Kassen immer mehr zur Regel.

„Private Arbeitgeber sind da meistens flexibler“, sagt Bernd Tenbensel. Hier werden nach seinen Worten weniger befristete Arbeitsverträge abgeschlossen als im öffentlichen Dienst.

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