Kultur Münster
Das gemalte Familienfoto

Dienstag, 10.08.2010, 18:08 Uhr

Münster - Als Kunstwerk des Monats August präsentiert das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte das Ölgemälde „Familie Wende“ des Malers Gerhard Richter aus dem Jahr 1971.

Das Bild zeigt ein Elternpaar mit Kind und erinnert an ein typisches Familienfoto , an einen Schnappschuss, angefertigt in einer alltäglichen Situation. Doch der Schein trügt, denn es handelt sich tatsächlich um ein sorgfältig ausgearbeitetes Ölgemälde. Gerhard Richters Gemälde „Familie Wende“ will jedoch nicht nur die malerische Kopie einer Fotografie sein. Vielmehr regt das Werk zum Nachdenken an über die eigene Wahrnehmung von Bildern. Mit dem Stilmittel der Unschärfe stellt Richter Fragen an die Aussagekraft von Bildern und weckt Zweifel an ihrem Anspruch auf Authentizität. Der Künstler führt uns vor Augen, dass ein Bild - besonders ein Foto - immer nur ein ausschnitthaftes Abbild der Wirklichkeit ist, das den Augenblick seiner Entstehung zeigt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Gerhard Richter führte 2010 zum sechsten Mal die Rangliste „Kunstkompass“ der 100 bedeutendsten lebenden Künstler an. Sein Porträt „Familie Wende“ ist in der Dauerausstellung „Aufgemischt“ des Landesmuseums zu sehen. Es gehört zu einer Reihe von fotorealistischen Arbeiten, die Gerhard Richter seit 1961 angefertigt hat.

Der Künstler verbindet Fotografie und Malerei und lässt die Grenzen zwischen beiden Techniken verschwimmen. Von seinen fotografischen Vorlagen übernimmt er die Bildinhalte, die Komposition und das Schwarz-Weiß. Das Stilmittel der Unschärfe, eine technische Folge bei der Vergrößerung von Fotografien, erreicht Richter durch den malerischen Trick der Verwischung.

» Die Publikation zum Kunstwerk des Monats kann im Landesmuseum am Domplatz erworben werden.

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