Kultur Münster
Exotik im Orgel-Menü

Sonntag, 15.08.2010, 17:08 Uhr

Münster - Guy Bovet ist ein Sammler. Wohin der schweizerische Organist bei seinen Tourneen durch die ganze Welt auch immer kommt, er bringt etwas Musikalisches aus der Fremde mit. Daraus entstehen dann komponierte Orgelstücke - wie die „Drei Japanischen Skizzen“, die Dominique Sauer bei seinem Orgelabend am Samstag in St. Lamberti präsentierte.

Faszinierende Klangbilder, ein Brückenschlag zwischen fernöstlichen Melodien und westlicher Harmonik, zwischen Asien und Europa. Eine echte Rarität hatte Dominique Sauer seinem großen Publikum da kredenzt. Überhaupt: das Programm des Osnabrücker Domorganisten glich einem Feinschmecker-Menü, das man wahrlich nicht alle Tage bekommt. Mit einer kaum mal zu hörenden Bach-Fuge in G-Dur (BWV 577) als spritzigem Aperitif, charmant perlend und von feiner Struktur. Dann ein üppiger Hauptgang in Form der vierteiligen „Zweiten Suite“ aus der Feder des Elsässers Léon Boëllmann. Da war alles Gute dran und drin: ätherische Aromen, eine dezent abgeschmeckte Sauce aus freundlichen Kantilenen, knackiges Gemüse und - natürlich - ein auf den Punkt gegarter saftiger Braten in Form eines Finale. Und so ganz nebenbei wurde deutlich, dass es neben Alexandre Guilmant und Charles-Marie Widor auch noch andere Maîtres gab, die im Paris des späten 19. Jahrhunderts für die Orgel tolle und lohnende Sachen geschrieben haben.

Guy Bovets eingangs erwähnten Japan-Skizzen müsste man in Sauers Gourmet-Programm folgerichtig als Geschmacksexplosionen aus der Molekularküche einordnen. Und die „Estnischen Volksweisen“ von Edgar Arro? Sie sind gepflegt Bodenständiges, aber mal ganz neu angerichtet. Das im besten Sinne „einfache“ der Volksweisen bleibt gewahrt, nur die Verpackung lässt aufmerken. Wenn Dulzian und Fagott wie um die Wette knorzen oder ein einfacher, litaneiartiger Gesang von einer minimalistisch-sparsamen Garnitur begleitet wird, erinnert das auch mitunter an Béla Bartók und seine folkloristische Feldforschung.

Wunderbar, dass Dominique Sauer, dieser fabelhafte, so inspiriert die Farben auswählende und sensibel gestaltende Künstler zum Schluss noch ein flambiertes Dessert lieferte: Herbert Brewers „Marche hèroique“ mit saftigen Akkorden und lodernden Trompeten. Musik, wie sie nur von Engländern geschrieben werden kann. Grandios. Lang und herzlich war der Beifall in der sehr gut besetzten Lambertikirche.

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