Kultur Münster
Im Bann des Doppelrohrblatts

Sonntag, 01.08.2010, 17:08 Uhr

Münster - Die „ Summerwinds “ wehten am Samstag uralte Melodien und Klänge durch Wolbeck. Mit einem Vortrag im Drostenhof und einem anschließenden Konzert in der Pfarrkirche St. Nikolaus war das Ensemble „ Les haulz et les bas“ um Gesine Bänfer mit alter Musik zu Gast.

Das Ensemble ist eine sogenannte „Alta Capella“, denn die Instrumente dieses Quintetts können hoch und auch beachtlich laut spielen. Zwei Doppelrohrblatt- und zwei Blechblasinstrumente, dazu etwas Schlagwerk, fertig ist die klangstarke, wunderschöne Mischung, die im Mittelalter höfische Feste veredelte und wohlhabenden Städten zur Ehre gereichte.

Beim Vortrag zur Geschichte der Schalmeien, inhaltlich äußerst umfangreich global angelegt, erzählte Gesine Bänfer im stilistisch hervorragend passenden Drostenhof Wissenswertes und Unterhaltsames zur Geschichte der Instrumente. Viele Abbildungen sorgten für bunte Farben und exotisches Kolorit. Locker und nicht in jeder Aussage wissenschaftlich penibel, aber lebendig und mit sehr großer Liebe zu den Instrumenten zog Bänfer die Zuhörer in den Bann der Doppelrohrblätter . Die „Summerwinds“ wollen neben schönen, virtuosen Konzerten auch in angenehmer Art Wissen vermitteln - das gelang Gesine Bänfer hier vortrefflich.

Ein paar moderne Klangbeispiele per CD vom indischen klassischen Oboisten Bismillah Khan (selbstverständlich heißt seine Oboe dort „Shanai“ und verfügt, bedingt durch die Bauweise, über ganz andere technische Möglichkeiten als das europäische Instrument), Musik von armenischen Hochzeiten und ein chinesisches Orchester waren dabei. Klasse Musik auf sehr unterschiedlichen Instrumenten, stilistisch weit gefächert, virtuos gespielt. Bänfer spannte von hier aus mit Leichtigkeit wieder den universellen Bogen zur alten Musik Europas.

Der rekonstruierte Klang ist in der alten Musik immer auch spekulativ, denn die Instrumente beruhen heute auf Nachbauten weniger noch erhaltener Originale oder entstehen nach historischen Abbildungen. Gemeinsam mit Ian Harrison vom Ensemble „Le haulz et les bas“ spielte Gesine Bänfer ein flottes Stückchen aus dem 15. Jahrhundert. Harrison zelebrierte virtuose Verzierungen auf der Schalmei in endlos langen Tönen durch Zirkularatmung, spieltechnisch sehr fit. Bänfer fügte auf dem Pommer eine tiefere und ruhigere Stimme hinzu. Ein Vortrag zum Anfassen sozusagen, ein schöner und lehrreicher Nebeneffekt der „Summerwinds“.

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