Nachrichten Münster
Alte Bahndirektion gründlich aufpoliert

Donnerstag, 05.08.2010, 15:08 Uhr

Münster - Wer das alte Direktionsgebäude der Bahn in Münster besichtigt, der muss gut zu Fuß sein. Treppauf, treppab führt der Weg durch viele Flure, Türen und immer neue Gebäudeteile. Verwinkelt ist das Innenleben des riesigen Komplexes zwischen Wolbecker Straße und Bahnhofstraße - mit Aussicht auf die Gleise. Selbst Marco Zahlten von der DB Services West GmbH, der sich um die Technik in der Bahnhofstraße 1 bis 15 kümmert und sich sehr gut im Gebäude auszukennen scheint, hat kürzlich noch ein neues Eckchen entdeckt. „Das habe ich noch nie gesehen“, sagt er.

Über die Zukunft der ehemaligen Bahndirektion in Münster ist noch nicht entschieden. Nur so viel, dass sich künftig Büros, Praxen und Handel die Flächen teilen werden. Anfragen gab es auch für eine Wohnnutzung. Doch von dieser Idee habe Aurelis schnell wieder Abstand genommen, sagt Michael Buchholz , denn ein solcher Umbau gehe ins Geld, so der Immobilienfachmann. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die ohnehin vorhandene WC-Problematik. Früher sei halt nur ein Nutzer im Haus gewesen, heute wünschte jeder Mieter eigene Sanitäranlagen.

Michael Buchholz ist der Leiter Asset Management bei Aurelis. Und die Aurelis Real Estate GmbH & Co. KG hat das münsterische Gebäude von der Bahn bereits im Jahr 2003 erworben. Jetzt feilt das Unternehmen an einem Konzept für die gesamten Flächen. Ende des Jahres hofft Buchholz mehr sagen zu können.

Aurelis sei zurzeit mit rund 20 Interessenten im Gespräch. Viele Anfragen lägen ihnen für das alte Direktionsgebäude vor, so Buchholz, aber das Immobilienunternehmen möchte zunächst planen und dann über eine Vermarktung entscheiden. Aurelis möchte damit auch vermeiden, so Buchholz, dass beispielsweise der vierte Friseur einzieht, wo doch schon drei vorhanden seien.

Hunderte von Fenstern besitzt der Bürokomplex, an dem an einigen Kanten schon der Putz bröckelt. Der Architekt habe sich die Mühe gemacht und die Fenster durchgezählt, sagt Buchholz. Bei der Frage, wie lang die Fassade des Bürogebäudes an der Bahnhofstraße sei, muss er passen.

Die Immobilie hat Charme und drückt der Bahnhofstraße in Münster damit bis heute einen Stempel auf. Die Fassade sieht aus wie aus einem Guss, das Innenleben der Gebäudeteile kennzeichnen verschiedene Bauphasen. Das älteste Gebäude in diesem Komplex stammt aus den 1930er Jahren und steht an der Wolbecker Straße. In diesem Trakt stehen die Büros aber zum größten Teil leer, warten auf eine neue Nutzung. Hohe Räume, braune Türzargen, Linoleumböden in deprimierenden Farben, gelbe und weiße Wände, Bohrlöcher, Kabel und Leuchtröhren bestimmen das Bild. Früher, sagt Buchholz, sei in allen Gebäuden immer ad hoc umgeplant und umgebaut worden. Die leeren Büros sind das Ergebnis der ewigen Nutzungsänderungen. Nur wenig Vergangenheit taucht noch auf: Mosaiksäulen, schwere Holztüren, ein riesiger Sitzungstisch, alte Stühle und schmuckvoll gearbeitete Treppengeländer.

Zug um Zug wurde die Bahndirektion an den alten Komplex aus den 1930er Jahren angebaut, zuletzt in den 1960er Jahren bis zum Bahnhof. Schluss war dort, wo einst Café Bücker war und heute noch ein Döner-Imbiss betrieben wird.

Heute sind zahlreiche Tochterfirmen der Bahn Mieter im Haus. Darüber hinaus haben sich der Fairsicherungsladen, die Postbeamtenkrankenkasse und die Knappschaft eingerichtet. Eine ehemalige Kantine in einem Anbau im Innenhof wird als Archiv genutzt. Moderne Elemente haben alte Zeiten verdrängt.

Rund 2000 bis 2500 Mitarbeiter sollen früher in der ehemaligen Bahndirektion Münster, SV Nord, gearbeitet haben. Der damalige Haupteingang ist bis heute das Glanzstück in der Immobilie. Neue Aufzüge starten von hier. Ein moderner Kronleuchter lässt dort ein Licht aufgehen, nachdem der alte - jeder rätselt, ob er früher golden glänzte - verschwunden war. „Diesen Eingang wollen wir netter machen“, sagt Buchholz. Was soviel heißen soll: Das Foyer wird bei allen Aurelis-Plänen die Visitenkarten der Immobilie sein, die übrigens nicht unter Denkmalschutz steht.

Insgesamt 34 250 Quadratmeter beträgt die Bruttogeschossfläche. Buchholz geht von einer Nutzfläche aus, die bei etwa 26 000 Quadratmetern liegt.

Und mitten drin sitzt Rainer O. Behnel. Der Pförtner von der DB Sicherheit kennt alle Mieter im Haus, denn an seinem Tisch im Foyer kommt niemand ungesehen vorbei. Der 57-Jährige ist knapp 40 Jahre bei der Bahn beschäftigt - und kommt natürlich jeden Tag aus Bochum mit der Bahn nach Münster angereist.

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