Nachrichten Münster
Stadtbücherei verliert 7000 Nutzer - Ausleihen deutlich zurückgegangen

Freitag, 06.08.2010, 12:08 Uhr

Münster - In vielen deutschen Städten erleben öffentliche Bibliotheken derzeit einen regelrechten Boom. Braunschweig , Regensburg, Stade - das sind nur einige Beispiele für Kommunen, in denen die Zahl der entliehenen Medien zwischen 2005 und 2009 um mehr als 40 Prozent zugelegt hat.

In Münster ist hingegen eine entgegengesetzte Entwicklung zu beobachten: Allein in der Stadtbücherei brach die Zahl der entliehenen Bücher, Spiele und CDs seit 2005 um 14,2 Prozent ein. Die Zahl der Nutzer ging von 44 000 auf 37 000 zurück, in den übrigen öffentlichen Bibliotheken von rund 12 000 auf etwa 10 000, so die Deutsche Bibliotheksstatistik.

Haben die Münsteraner die Lust am Lesen verloren?

Nein, sagt Stadtbücherei-Leiterin Monika Rasche . Gelesen werde nach wie vor viel. Die zurückgehenden Nutzerzahlen in ihrer Einrichtung seien vielmehr Folge mehrerer „Konsolidierungswellen“ innerhalb weniger Jahre.

Rasche zählt auf: „2006 wurden die Gebühren erheblich erhöht, sie sind heute deutlich höher als im Umland. Das hat bei uns einen Rückgang verursacht.“ In den Zweigstellen Aaseemarkt und Hansaplatz wurden die Öffnungszeiten halbiert - Folge auch hier: „erhebliche Rückgänge bei den Ausleihen“. Zudem seien auch in den Außenstellen Coerde und Kinderhaus die Öffnungszeiten zeitweise verkürzt worden.

Von „erheblichen Reduzierungen“ beim Personal ganz zu schweigen: 10,5 Stellen musste die Stadtbücherei laut Rasche seit 2005 abgeben, aktueller Stand: 63,5 Stellen. „Ohne diese Entwicklungen“, ist die Leiterin überzeugt, „wären wir wohl bei Ausleihen und Nutzern noch auf dem gleichen Niveau wie vor fünf Jahren.“

Und es könnte noch schlimmer kommen. Die Sparvorlage der Verwaltung regt an, die Zweigstellen Aaseemarkt und Hansaplatz komplett zu schließen, auch ein weiterer Personalabbau droht.

„Unser Ziel ist es, dass die Menschen lesen und lernen, Informationen nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu nutzen“, betont Rasche. Die Zahl der Menschen, die die Stadtbücherei erreicht, ist indes seit 2005 um 7000 zurückgegangen. Wo bleiben die? „Wenn sie unsere Angebote nicht mehr nutzen, werden sie das finanziell kaum durch den Kauf von Büchern ausgleichen können“, vermutet sie. „Ich denke, dass diese Menschen nun weniger lesen als früher.“

In den ersten Monaten des Jahres verharrten die Ausleihzahlen auf dem Vorjahresniveau. Dann kamen Fußball-WM und Hitzewelle - und sie gingen erneut zurück. Ob 2010 nur der Sommer keine gute Zeit zum Lesen war, wird sich am Ende des Jahres herausstellen.

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