Kultur Münster
Unfreiwillige Aktualität durch Sarrazin

Mittwoch, 08.09.2010, 17:09 Uhr

Münster - Die Vorgänger-Reihen trugen Titel wie „Die zehn Gebote“ oder „Kultur der Barmherzigkeit “. Nun also das Thema „Exodus“ - ein brisantes Thema um die „politischen und menschlichen Zeichen unserer Zeit“, wie Theaterintendant Wolfgang Quetes - mit Blick auf die aktuelle, durch das umstrittene Buch von Thilo Sarrazin angestoßene Diskussion über Migration und Integration in Deutschland - bei der Vorstellung des Programms zu den „Exodus-Tagen“ sagte. Vom 23. bis 26. September geht es um den „Exodus von Individualitäten, Völkern und Andersdenkenden“, so Quetes.

Ziel der Schwerpunkttage ist es laut Quetes, das Thema „Exodus“ vielseitig zu beleuchten und Korrelationen aufzuzeigen - in Form von Theater, Liederabend, Sinfoniekonzert oder gar Licht- und Klanginstallation. Die beiden christlichen Kirchen sitzen bei dem Projekt, das auch die Spielzeit thematisch durchzieht, wieder als Partner mit im Boot.

Ein wahrer Reigen an Premieren an einem einzigen Tag eröffnet die „Exodus-Tage“:» Die szenische Lesung von Harald Muellers „Totenfloß“ handelt von einer Atomkatas­trophe im Rheinland (Premiere: 23. September, 16 Uhr, Apostelkirche, Neubrückenstraße).» Die Inszenierung „20. November“ von Lars Norén (Premiere: 23. September, 16 Uhr, Hildegardisschule, Neubrückenstraße) kündet vom Inneren Exil und hat den Amoklauf eines Schülers zum Inhalt.

» „Paradiesstraße“ heißt der Roman von Ulla Lachauer, die ihr Werk auch für die Bühne dramatisiert hat. Die Geschichte handelt von der Bäuerin Lena Girgoleit, die ihr Dorf in Litauen, bedingt durch die politischen Wirren des 20. Jahrhunderts, als Exil erlebt. Das „Monodrama in zwei Sprachen“ wird am 23. September um 17.15 Uhr in Anwesenheit von Lachauer in der St.-Johannes-Kapelle uraufgeführt.» Die szenische Installation „Ich wandre durch Theresienstadt“ (Premiere: 23. September, 17.15 Uhr, Zwinger, Promenade) umfasst Lieder und Texte aus Terezín.

» Vom Verlust der Heimat und dem Zwang zur Assimilation erzählt das Stück „Hiob“ nach Joseph Roths gleichnamigem Roman (Premiere: 23. September, 19.30 Uhr, Kleines Haus).

» Aischylos´ Tragödie „Prometheus, gefesselt“ ist - in der Übertragung von Peter Handke - unter freiem Himmel in der Theaterruine zu sehen (Premiere: 23. September, 22.15 Uhr).

» Dem bekannten Berliner Vokal-Ensemble, das sich 1935 auflösen musste, weil einige Künstler jüdischer Abstammung waren, haben Gottfired Greiffenhagen und Franz Wittenbrink mit ihrem Stück „Die Comedian Harmonists“ ein Denkmal gesetzt. Die musikalische Revue hat am 24. September (19.30 Uhr) im Großen Haus Premiere.

» Ein einmaliges Event ist die Veranstaltung „Ich wandte mich um und sah alles Unrecht, das geschah unter der Sonne“, hinter der sich ein Konzert mit Sinfonieorchester, Konzertchor und der Dommusik im St.-Paulus-Dom verbirgt (24. September, 22.45 Uhr).

Abgerundet wird das Programm von der Licht- und Klanginstallation „In terram bonam“ in der Jugendkirche „Effata“ (Martinikirche direkt neben dem Stadttheater).

Wie schon bei den „Zehn Geboten“ werden die Zuschauer, die Tageskarten buchen, wieder von Hostessen zu den einzelnen Spielstätten geführt. Wer alle Produktionen der „Exodus-Tage“ sehen möchte, muss nach Auskunft von Oberspielleiter Winfried Harlandt zwei Festivaltage einplanen.

» Tageskarten zum Preis von 20 bis 28 Euro für die vier Festivaltage gibt es ab sofort an der Theaterkasse, Neubrückenstraße ( ' 590 91 00). Es können auch separat Karten für Einzelveranstaltungen erworben werden.

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