Wirtschaft Münster
Grotemeyer ist in Münster Kult

Freitag, 15.10.2010, 23:03 Uhr

Münster - Café Grotemeyer hat Stil. Das wissen viele Gäste zu schätzen, die die gemütliche Atmosphäre lieben, auf bequemen Sesselchen oder Sofas sitzen, ihren Kuchen genießen, Zeitung dabei lesen oder ein Pläuschchen halten. Generationen haben sich bei Grotemeyer auf der Salzstraße getroffen. Das ist bis heute so geblieben. Alice Kahlert, die sechste Generation in der Kaffeehaus-Tradition, ist stolz auf den Stil des Hauses. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt die 25-jährige Diplom-Kauffrau, die inzwischen ihr Studium abgeschlossen hat und ins Café eingestiegen ist.

Gemeinsam mit ihrem Vater, Reinolf Kahlert , und ihrer Tante, Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel , führt sie das Traditionsunternehmen , das jetzt sein 160-jähriges Bestehen feiert. „Normalerweise hätten wir das 150-jährige Bestehen gefeiert“, erklärt Gabriele Kahlert-Dunkel, doch damals war gerade ihre Mutter, Annelie Kahlert, geborene Grotemeyer, gestorben.

Die 60-jährige Gabriele und ihr 63 Jahre alter Bruder Reinolf sind die fünfte Grotemeyer-Generation. Unter ihrer Regie werden - wie schon beim Großvater - die Baumkuchentorte oder „Grotemeyers Spezial“ angeboten. Eine Torte, die sowohl Nougat, Marzipan, Kirsche als auch Aprikose enthält. „Eine ideale Kombination“, schwärmt Gabriele Kahlert-Dunkel.

Kuchen, Gebäck, Pralinen und Plunderteilchen machen süchtig, sagt die 60-Jährige, die ein Stückchen Kuchen am Nachmittag durchaus zu schätzen weiß. Ihr Bruder, Reinolf zieht dagegen eine leckere Praline vor, die er sich auf der Zunge zergehen lässt.

„Dass wir alles immer wieder frisch herstellen, das ist unser Geheimnis“, betonen die Geschwister. Schon der Großvater habe immer großen Wert auf exzellente Rohware gelegt. „Er hat immer zu uns gesagt, wer nichts ausgibt, kann nichts einnehmen“, so Gabriele Kahlert-Dunkel.

Die Geschwister sind im Café an der Salzstraße aufgewachsen. Reinolf Kahlert erinnert sich: „Ich habe immer Baumkuchen gedreht.“ Seine Schwester trocknete Löffelchen ab. „Gabeln durfte ich damals nicht, das hat mich sehr gefuchst.“

In der Spülküche von Grotemeyer fängt übrigens jeder an. Auch Alice Kahlert hat erst Löffelchen geputzt, bevor sie in den Service durfte. Heute ist die 25-Jährige überall zu finden, hilft im Service aus und kümmert sich um den Bürokram. Gabriele Kahlert-Dunkel ist stolz auf die nächste Generation. Nichte Alice habe die Gene ihrer Großmutter mitbekommen, sagt sie. Auch Annelie Kahlert habe damals immer wieder neue Ideen gehabt. An ihrem 80. Geburtstag übertrug Annelie Kahlert ihren Kindern das Café, das sich heute zunehmend auch bei Gesellschaften beliebt macht.

Grotemeyers möchten im Zuge ihres Jubiläums den Gästen ein Stück Tradition zeigen. Eine Festschrift erscheint, die der Historiker Dr. Christopher Görlich verfasst hat. Vom 27. bis 29. Oktober dürfen die Gäste Kaffee und Kuchen passend zum 160. Geburtstag für jeweils 160 Cent genießen.

Auswahl gibt es reichlich. Das Angebot des traditionsreichen Cafés ist sehr umfangreich: Rund verschiedene 35 Torten, Gebäck und Plunderteilchen, 60 Pralinensorten, Marzipankunstwerke, Snacks und Kaffeespezialitäten. Vor allem der frisch aufgebrühte Kaffee hat im Haus Tradition. Das Brühverfahren, erklärt Gabriele Kahlert-Dunkel, benötige Zeit, fast genauso lange wie ein gut gezapftes Bier.

Rund 40 Mitarbeiter beschäftigt Grotemeyer heute, dazu gehört seit 1993 das Café Colibri in der Stadtbücherei. Der Betrieb ist ein moderner Ableger und wird häufig von Gästen aufgrund der Internetmöglichkeiten wie ein „kleines Büro“ genutzt.

Der Lortzingsaal dagegen, früher als Konzertsaal und Café genutzt, wird seit 13 Jahren vermietet.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/274846?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597177%2F696333%2F
Nachrichten-Ticker