Kultur Münster
Emil Stratmann: Überraschende Bandbreite

Mittwoch, 10.11.2010, 17:11 Uhr

Münster - Sie haben für die guten Stuben Münsters gemalt, für die Speisegaststätten und für die Zimmer der Chefs. Der Bildungsbürger war hungrig auf Bilder in der Nachkriegszeit. Doch einige der kunstfertigen Maler Münsters waren in ihrer Seele Künstler, die mit ihrem Ausdrucksvermögen lebendig, am Puls der Zeit bleiben wollten. Und so überrascht es am Ende vielleicht doch nicht, dass in der Torhaus-Galerie des Stadtheimatbundes ein Emil Stratmann zu sehen ist, wie ihn viele Münsteraner vermutlich noch nicht gesehen haben.

Emil Stratmann wäre in diesen Tagen 120 Jahre alt geworden. Der gebürtige Münsteraner ist durch Linol- und Holzschnitte sowie durch viele Buchillustrationen bekannt geworden. Viele Münsteraner besitzen ein Gemälde von ihm. Auch Claudia Strauch . Aber als seine Enkelin hat die Lehrerin am Annette-Gymnasium natürlich ein besondere Beziehung zu Stratmann. Sie lebte mit ihren Eltern damals zwar in Osnabrück. „Aber ich war oft bei meinem Opa“ - seit 1956 bis zu dessen Tod 1974. Während Oma Stratmann die Wohnung auf Vordermann brachte, gingen die beiden spazieren, am Ende oft zu einem Glas „Regina“ zu „Pilo“.

Hier und überall hat Stratmann gezeichnet. Denn der Maler konnte nicht nur malen, er musste es auch. Nicht allein des Broterwerbs wegen. Von der Speisekarte über Bierdeckel bis zur Theke gab Stratmann manchem Kneipen-Ambiente einen künstlerischen Touch. Die Ausstellung in der Torhaus-Galerie zeigt aber auch, wie Stratmann, der kurz nach dem Krieg gut 70 Zeichnungen vom zerstörten Münster anfertigte, in späteren Jahren versuchte, am Puls der Zeit zu bleiben. Wie es ihn offensichtlich drängte, sich dem Zeitgeist nicht zu entziehen. Entsprechend breit ist die stilistische Palette der Werke, die wohl erstmalig in Münster dieser Bandbreite zu sehen sind.

Für Stratmann-Fans ist diese Ausstellung quasi ein Appetit-Anreger. Denn am 5. Dezember eröffnet Karlheinz Pötter auf dem Hof Hesselmann eine große Gesamtwerk-Ausstellung, Abschluss seiner mehr als 30-jährigen Suche nach Stratmann-Motiven.

» Die Ausstellung wird am Sonntag (14. November) um 11 Uhr eröffnet, sie ist bis zum 16. Januar in der Torhaus-Galerie, Neutor 2, zu sehen.

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