Nachrichten Münster
Ausgrabungen: Adelspalast im Hinterhof

Dienstag, 09.11.2010, 06:11 Uhr

Münster - Die alte Adelspracht ist an die Aegidiistraße zurückgekehrt - zumindest vorübergehend. 67 Jahre nach seiner Zerstörung durch Fliegerbomben sind bei archäologischen Grabungen Mauerreste des im 18. Jahrhundert errichteten „Landsberger Hofes“ ans Tageslicht gekommen. Bereits in wenigen Wochen werden sie allerdings schon wieder verschwunden sein - und zwar für immer. Dann nämlich rücken Bagger an, um die Baugruben für ein neues Wohnquartier auszuheben.

Der Freiherr von Velen nutzte den ab 1752 nach Plänen von Johann Conrad Schlaun errichteten Hof als Stadtresidenz. Lediglich ein paar alte Fotos erinnern an das Gebäude - „über die Siedlungsgeschichte in diesem Areal war uns bislang nichts bekannt“, so Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers .

Entsprechend erfreut ist sie nun darüber, dass nicht nur die Fundamente des Hofes samt Abwasserleitung in Richtung Aa, sondern auch die Reste von zwei Bürgerhäusern aus dem 15. Jahrhundert zum Vorschein gekommen sind. „Die hatte der Freiherr von Velen aufgekauft und anschließend abreißen lassen, um ausreichend Platz für den Landsberger Hof zu haben“, berichtet Dickers.

Noch ältere Siedlungsstrukturen haben die Archäologen bislang nicht entdeckt, wohl aber Keramikstücke, die vermutlich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen, sowie einen Brunnen, der noch näher untersucht werden soll. „Wenn wir den hölzernen Brunnenkasten entdecken, können wir sein Alter bestimmen“, hofft Dickers.

Dass das neue Wohnquartier in einem „stadtgeschichtlich hochinteressanten Areal“ entsteht, hat sich für sie mit den Ausgrabungen bestätigt. Die Hoffnung, tief ins Mittelalter einzudringen, ist aber wohl zerplatzt: „Unsere Vermutung, dass hier schon im 12. Jahrhundert Menschen lebten, hat sich bislang nicht bestätigt“, sagt die Stadtarchäologin. Aber das, so Dickers, sei ja auch eine wichtige Erkenntnis.

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