Nachrichten Münster
Junge Briten zieht es nach Berlin

Freitag, 19.11.2010, 07:11 Uhr

Münster - Mit Lord Alan Watson hatte die Deutsch-Britische Gesellschaft einen brillanten Charmeur und anekdotenreichen Redner gewonnen. Am Mittwochabend luden die Organisatoren um den ersten Vorsitzenden Dr. Axel Vornhecke in den Kettlerschen Hof an der Königsstraße Vereinsmitglieder und andere an dem deutsch-britischen Verhältnis Interessierte zu dem Vortrag des Mitglieds des House of Lords (britisches Oberhaus) und Träger des Großes Bundesverdienstkreuzes ein.

Nach einer flugbedingten kurzen Verspätung, aber dennoch sehr britisch und gar nicht hastig, startete der Lord mit seinem rund einstündigen Vortrag zum Thema „Die Entwicklung des Englischen als die weltweite Sprache und seine Auswirkungen auf Britanniens besondere Beziehungen zu Deutschland und den USA“. Watson, selbst in seiner langjährigen Karriere Journalist als auch Politiker gewesen, zog die großen historisch-politischen Linien und erweiterte kurzerhand das Vortragsfeld noch um die französisch-britischen Beziehungen.

Beginnend mit dem britisch-amerikanischen Verhältnis und seinem zentralem Ausgangspunkt der ersten Besiedelung in Jamestown vor fast 400 Jahren, schilderte er nicht ohne Stolz und detailliert die Landung von drei britischen Schiffen 1607 in der Neuen Welt.

Watson: „Sie haben drei Dinge mit an Bord gehabt, die heute noch fundamentale  Wirkung auf die Welt haben. Erstens hatten sie die englische Sprache an Bord, die damals weltweit nur rund drei Millionen Menschen gesprochen haben. Zweitens hatten sie die Rule of Law - also die feudalismusbeschränkende Macht des Gesetztes - an Bord. Und drittens waren sie schon damals saubere Kapitalisten.“

Im zweiten Schritt schilderte der in Südafrika geborene Brite die Beziehung zu Frankreich. Recht amüsant gelang ihm dabei der Bericht eines Staatsbesuchs des französischen Präsidenten Sarkozy, der in der Londoner Royal Gallery vor beiden Kammern des britischen Parlaments sprach. Er ging darauf ein, dass bei aller Zusammenarbeit die kulturelle Identität in der EU nicht verloren gehen dürfe: „Es scheint klar, dass Frankreich stets bei seiner eigenen Kultur bleiben wird. Und das ist fundamental wichtig.“

In seinen Ausführungen zum deutsch-britischen Verhältnis verzichtete der Lord weitgehend auf denkbare Anekdoten. Hier kam Watson zu seinem Kernthema: „Es ist höchst erstaunlich, wie sie als Deutsche die Wiedervereinigung geschafft haben.“ Er zog den Bogen von seinen Begegnungen in der „unfertigen“ Bundeshauptstadt Bonn bis zum jungen vereinigten Berlin, in das es Wochenende für Wochenende junge Briten ziehe. Aber auch die aus den unterschiedlichen Gefühlslagen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Grundstimmungen verschwieg Watson nicht. Die Deutschen hätten sich entscheiden müssen, wen sie beim Blick in den Spiegel hätten sehen wollen, da habe die Europäische Union die Möglichkeit gegeben, eine andere Identität als vor dem Krieg anzunehmen. „Wir Briten sind als Sieger aus dem Krieg gegangen. Unser Patriotismus ist wiederverstärkt worden.“ Darin sieht Watson auch einen kleinen Grund, warum sich die Briten bei vielen europäischen Projekten wie dem Euro schwerer täten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/268275?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597177%2F696328%2F
Osnabrück soll Münsters Bäder managen
Die Schwimmbäder sorgen wieder für Gesprächsstoff.
Nachrichten-Ticker