Nachrichten Münster
Zweites Hafenforum: Träume und bittere Pillen

Freitag, 26.11.2010, 22:11 Uhr

Münster - Nicht wenige Teilnehmer des zweiten Hafenforums mussten gestern Abend bittere Pillen schlucken. Zum Beispiel jene, die davon träumen, die Osmo-Hallen so zu erhalten, wie sie heute sind: „Falls wir einen harten Winter bekommen, kann ich nicht garantieren, dass die Dacheindeckungen nicht einbrechen werden“, betonte Uwe Hallmann vom Ingenieurbüro Plan 2, der im Auftrag des Osmo-Insolvenzverwalters an der Veranstaltung teilnahm. „Die technische Lebensdauer der Hallen hat ihre Grenzen erreicht.“

Deutliche Worte - denen im Laufe des dreistündigen Abends weitere folgen sollten. Kreative Nutzungen auf der Südseite des Stadthafens 1? „Wir müssen darauf achten, Geld nicht nur auszugeben, sondern auch zu verdienen“, stellte Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann mit Blick auf Erweiterungsambitionen der Stadtwerke klar. Eine Brücke zwischen nördlichem und südlichem Ufer? „Kann schön aussehen - aber an dieser Stelle niemals“, so Stadtdirektor Hartwig Schultheiß. Eine Badeanstalt im Hafenbecken? „Kann ich mir nicht vorstellen“, betonte Christian Schowe vom Amt für Stadtentwicklung.

Ein paar Träume mögen gestern Abend zerplatzt sein - andere wurden weitergeträumt: von der Umwandlung der Osmo-Hallen in ein „Kinderkulturgebiet“ bis zur Umwidmung der Südseite des Stadthafens 1 in ein Revier für Trommler. Den meisten der 300 Zuhörer, denen das mit elf Personen besetzte Podium nicht allzu viel Zeit für Wortmeldungen ließ, ging es freilich - wie schon beim ersten Forum - um Handfesteres: Wie müssen die Entwicklungen der Zukunft aussehen, damit sich im Hafenviertel auch weiterhin ein bunter Bevölkerungsmix wohl fühlt?

„Der Hafen ist ein historisch gewachsenes Gebiet, das eine Geschichte erzählt - und das kann man nicht in Frage stellen“, betonte Prof. Johannes Schilling vom Beirat für Stadtgestaltung. Aber was heißt das? Dass es kein Stroetmann-Einkaufszentrum geben darf, nur weil es hier schon Handel gibt? „Aus Sicht der Stadt ist ein solches Zentrum grundsätzlich richtig“, so Schowe. „Das will keiner“, hallte es ihm aus dem Publikum entgegen. Investor Max Stroetmann reagierte mit Unverständnis: „Wir schaffen Parkplätze und Wohnraum, und ein Einkaufszentrum, dass man so noch nicht gesehen hat.“ Gleichwohl will er „jede Anregung“ gerne aufnehmen - „sofern sie gut und sinnvoll ist“. Vor allem dies wurde gestern deutlich: Es gibt noch vieles zu klären. Besonders im Stadthafen 1, der erneut im Mittelpunkt stand, weniger im Stadthafen 2 und an der Theodor-Scheiwe-Straße. Wie soll der Verkehr fließen, wie viel Raum soll für Kreativität erhalten bleiben, wie viel für Gewerbe und Industrie?

Mehrere Arbeitsgruppen wurden daher nach der Veranstaltung gegründet, immerhin 90 Interessierte können teilnehmen. Sie sollen Anfang kommenden Jahres tagen und sich noch einmal en detail Gedanken über Münsters Stadthäfen machen. Ende Februar/ Anfang März ist das dritte und letzte Hafenforum geplant. Über den Masterplan, den die Verwaltung danach entwickeln wird, soll der Planungsausschuss noch im ersten Halbjahr 2011 beraten.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/266849?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597177%2F696328%2F
Weniger Staus als im Vorjahr
Der Verkehr staut sich.
Nachrichten-Ticker