Sven Regener im Interview
„Herr Lehmanns“ Vater

Mittwoch, 02.02.2011, 18:02 Uhr

Münster / Berlin - Heute haben sie den zweiten Teil ihrer „Immer da wo du bist bin ich nie“-Tour in Rostock eröffnet. Am Donnerstag (3. Februar 2011) gastieren Element of Crime ab 20 Uhr im Jovel. Unser Redaktionsmitglied Carsten Vogel sprach mit Sven Regener , Sänger der Band und Autor der Bücher „Herr Lehmann“, „Neue Vahr Süd“ und „Der kleine Bruder“.

Wann haben Sie angefangen, sich mit Musik zu beschäftigen?

Sven Regener: Daran kann ich mich kaum noch erinnern. Man war ja noch sehr klein damals. Meine Geschwister haben Blockflöte gespielt. Die habe ich dann gefunden und mir das Spielen selbst beigebracht. Später habe ich eine Gitarre bekommen.

Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass man über Geschwister zur Musik kommt . . .

Regener: . . . über ältere Geschwister ja, über jüngere geht da nichts (lacht). Aber ich beobachte das auch an meinen eigenen Kindern. Irgendwann fangen sie an, sich für Musik zu interessieren. Musik spielt in der Entwicklung Jugendlicher eine große Rolle, weil Musik abstrakt ist. Sie können viel hinein interpretieren. Generell können sie sich über Kunst und Künstler definieren.

Wann ist Musik Kunst?

Regener: Musik ist immer Kunst. Es ist ein Irrtum zu glauben, Musik ist nur dann Kunst, wenn sie gut ist. Kunst ist kein Prädikat an sich. Es ist eine Tatsache. Auch schlechtes Wetter ist Wetter. Was den Kunstbegriff angeht, sollte man sich mal locker machen.

Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Mitschülern?

Regener: Element of Crime kennt man nur, wenn man sich für diese spezielle Art von Musik interessiert. Als ich aber unter meinem eigenen Namen Bücher publiziert habe, tauchten viele Leute von früher auf. Die sind neugierig geworden und haben so auch von der Band erfahren. Jetzt habe ich wieder mehr Kontakt.

Ich habe dieses Jahr 20-jähriges Abitur.

Regener: Ich bin weder zur 20- noch zur 30-Jahr-Feier gegangen. Das ist mir zu rückwärtsgewandt. Aber ich bin auch ein Geburtstags- und Jubiläumsmuffel. Das ist mir zu zwanghaft. Ich mag lieber Partys, die aus dem Nichts entstehen.

Mich kann man mit Silvester jagen.

Regener: Ich bin auch Silvesterhasser. Silvester ist der einzige Tag, an dem ich freiwillig um 22 Uhr ins Bett gehen würde. Aber unbewusst. Fast neurotisch. Ich spüre um 21 Uhr eine bleierne Müdigkeit (lacht).

Es gibt ja Leute, die sagen, die Lehmann-Trilogie sei autobiografisch. . .

Regener: Woher wollen die das wissen? Sogar meine Mutter dachte, die sei autobiografisch. Ich habe mal zu ihr gesagt: „Mutter, ich habe doch nie hinterm Tresen gearbeitet.“ Und sie sagte: „Ach so, ja, was weiß ich, was du immer so tust.“ (lacht)

Auch Thomas Bernhards Werke sind ja stilisiert . . .

Regener: Ja, man projiziert automatisch alles auf den Autor, doch letztlich ist das viel uninteressanter als man denkt. Ich glaube auch, dass man „Neue Vahr Süd“ nicht liest, um etwas über mich zu erfahren. Ich bin keine Berühmtheit wie Verona Feldbusch.

Heute spielen Sie in Münster. Wissen Sie was eine Leeze ist?

Regener: Ich glaube, ich wusste das mal. Ich weiß jedenfalls noch, was eine Knierfte ist.

Was erwartet Münster im Jovel denn?

Regener: Das Konzert (lacht). Es wird nicht baugleich sein mit dem Programm, das wir vor einem Jahr gespielt haben. Aber die Songs vom letzten Album „Immer da wo du bist bin ich nie“ stehen natürlich im Zentrum.

Wie ist Ihr Resümee von der bisherigen Tournee ?

Regener: Der erste Teil der Tour war ein Triumphzug. 3000 Fans in Bochum: Für eine Indieband ist das erstaunlich. Alte Säcke wie uns noch mal zu beeindrucken, ist schließlich nicht so einfach (lacht).

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