Kultur Münster
EU gibt Nobelpreisträger einen Korb

Mittwoch, 09.03.2011, 19:03 Uhr

Münster - Uwe Köhler ringt um Fassung: „Wir haben noch nie so viel Ablehnung erfahren.“ Dabei will das Theater Titanick nicht irgendeinen Jungautoren oder Freizeitdichter auf die Bühnen bringen. Kein geringerer als Literatur-Nobelpreisträger Dario Fo hat eigens für das Theater aus Münster und Leipzig ein Stück geschrieben. Aber: Keiner will es finanzieren - Europa nicht und Deutschland auch nicht. Köhler: „Ein Affront!“

In diesen Tagen traf die zweite Absage aus Brüssel in Münster ein. Beim ersten Mal galt es 73 Punkte zu erreichen. Dieses Mal hat Titanick 73 Punkte erreicht. Doch weil es mehr Anträge gab, lag die Latte nun bei 78 Punkten. Der Antrag auf 200 000 Euro wurde wieder nicht genehmigt. „Die Summe benötigen wir als Basisfinanzierung“, so Köhler.

Brüssel legt bei seinen Förderprogrammen Wert auf „Nachhaltigkeit“ und „Netzwerkbildung“ und die „europäische Dimension“. Das Theater Titanick arbeitet bei diesem Projekt mit dem „Zentrum für Entwicklung von Straßen-Theater“ in Portugal, dem „Dario Fo“-Institut in Mailand, einer professionellen Autorin aus Frankreich und der „Crème de la Crème“ der europäischen Straßentheater zusammen - mehr geht fast nicht.

Von der Königin Sonja von Norwegen bis zum früheren Präsident Costa Ricas und Friedensnobelpreisträger Óscar Arias Sánchez begeistert das Theater Titanick - aber in Brüssel und Berlin sagen die Entscheider: Nein. Köhler sucht nach Erklärungen: „Vielleicht stoßen wir auf Ablehnung, weil wir als kleine GbR keine Institution sind.“ Und er fügt mit einem ironischen Ton hinzu: „Im Vergleich zu dem, was sich das große Europa unter einer Institution vorstellt“.

Im Straßentheater ist das Theater Titanick unbestritten eine Institution. Vielleicht werde die Arbeit, weil es open air ist, mit einem Event gleichgesetzt, rätselt Köhler. Auch bei der Bundeskulturstiftung habe man offenbar einen „hohen Kulturanspruch“. Demnächst gebe es dort eine neue Jury. Neue Jury - neues Glück. Das jedenfalls hoffen die Titanicker. Sonst wandert das burleske Stück „QU“ von Fo in die Schublade.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/251881?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597157%2F696317%2F
Gefährdet Tesla die Batterieforschung in Münster?
Das neue Tesla Model Y soll auch in Brandenburg gefertigt werden.
Nachrichten-Ticker