Kultur Münster
Feiner Reigen blasser Geister

Sonntag, 27.03.2011, 17:03 Uhr

Münster - Wenn „Freund Hein“ zum Totentanz bittet, sind alle gleich: Ob Bauer oder Edelmann, Kaiser oder Klausner, Kind oder Greis. Alle reihen sich ein in den Reigen blasser Geister, da nützt kein Feilschen und kein Flehen, kein Ach und kein Weh. Unbarmherzig nimmt der weißgeschminkte Gevatter (Jochen Pickerott) sie bei der Hand und führt sie hinfort, worauf der Chor in aphoristischer Kürze jedem sein „Memento mori“ hinterhersingt. In ausdrucksstarken, teils mittelalterlich anmutenden Gesangslinien, die Hugo Distler (1908-1942) komponierte. Der gut aufgelegte Kammerchor Münster unter Hermann Kreutz faszinierte mit dem ungewöhnlichen Werk in der Erphokirche.

Die Vorstellung vom „tanzenden Tod“ faszinierte im Mittelalter das von der Pest geschüttelte Volk. In Bildern und Sprüchen wurde so mancher Totentanz an die Wand gemalt. Wie auch der „Lübecker Totentanz“ in der Marienkirche, der Hugo Distler inspirierte. Ebenso beeindruckten den Komponisten die „Sprüche von Leben und Tod“ von Leonhard Lechner. Distler setzte ganz auf unmittelbaren Ausdruck und gab den Spielszenen verblüffend viel Raum.

Und so schreiten die Delinquenten einer nach dem andern vor der Kirchenbank, ein jeder im maßgeschneiderten Zwirn: Dem Kaiser seine Krone, dem Arzt sein weißer Kittel, dem Bischof sein Ornat. Hans Feilcke trägt sie durchaus mit Augenzwinkern; Ute Pickerott muss mit grauem Haupt das Kind und die Jungfrau spielen. Am besten gelingt Jochen Pinkerott mit Schminke und Schlapphut ein Sensenmann, der sein Werk gleich einem Beamten des Todes verrichtet. Lisa Bröker-Jambor steuert schöne Flötensoli bei, Christiane Alt-Epping spielt ebenso ein Choralvorspiel von Brahms. Hermann Kreutz und sein Kammerchor aber zeigen vor allem bei drei Madrigalen (1623) von Johann Hermann Schein fein austarierten Renaissance-Klang.

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