Bahnhofsgegend
Vandalismus ist Alltag

Freitag, 29.04.2011, 21:04 Uhr

Münster - 40 Kilogramm schwere Blumenkübel sollten eigentlich eine kleine Ewigkeit halten. Nicht so, wenn sie auf der Bahnhofstraße stehen. Vor gut einer Woche brachte es jemand fertig, den vor dem Eingang des GOP-Varieté stehenden Kübel samt Mutterboden umzukippen und in die Busspur zu befördern.

Ein wahrer Kraftakt, der allerdings nicht zum ersten Mal beobachtet wurde. „Wir mussten schon vier neue Kübel kaufen. Und dabei haben wir sie extra wegen ihres Gewichts ausgesucht. Aber das hindert die Leute nicht daran, die Dinger umzustoßen“, ärgert sich Julia Feirer vom GOP über die wiederholten Fälle von Zerstörungswut.

Vandalismus ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal der Bahnhofsgegend. Im Gegenteil: Im ganzen Stadtgebiet klagen Gastronomen und Anlieger über nächtliche Randalierer.

Die Polizei kennt das Problem, verweist aber auch auf die Statistik. Und die zeigt, dass in Münster zumindest die registrierten Fälle von Sachbeschädigung zurückgehen. „Seit 2008 ist die Zahl leicht rückläufig“, so Polizeisprecher Jan Schabacker.

Für Wolfgang Deckenbrock vom Kleinen Kiepenkerl am Spiekerhof ist Vandalismus längst zum Alltagsgeschäft geworden: „Das habe ich hier jede Woche.“ Rausgerissene Blumen, zerschlagene Bierflaschen, umgekippte Stühle, Erbrochenes, pinkelnde Jugendliche auf der benachbarten Aa-Brücke - das erlebt er vor allem an den Wochenenden, wenn die Partygänger wieder unterwegs sind. In anderen Feier-Vierteln sieht es nicht besser aus.

Die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Bahnhofsviertel hat in den vergangenen Jahren viele Ideen und wohl noch mehr Geld in die Stärkung und Verschönerung ihres Quartiers gesteckt. Lichtkonzept und Blumenkübel sind nur zwei Stichworte. ISG-Vorsitzender Peter Cremer ärgert sich maßlos, wenn diese Bemühungen, wie im Fall der GOP-Kübel, sprichwörtlich mit Füßen getreten werden.

Vandalismus sei allerdings kein spezielles Problem von Münster oder gar der Bahnhofstraße, vielmehr ein gesellschaftliches, betont Cremer. Gleichwohl könne man die Hände nicht in den Schoß legen.

Die ISG Bahnhofsviertel will deshalb selber aktiv werden, kündigt Cremer an. Es werde derzeit intern über den Einsatz sogenannter „Kümmerer“ diskutiert. Die sollen „zu Brennpunktzeiten, also nachts zwischen 2 und 6 Uhr“, auf der Straße sein und nach dem Rechten schauen. Bei Vorfällen könnten sie per Handy die Polizei informieren. Organisiert und finanziert von der ISG. Cremer: „Schließlich soll sich jeder sicher im Bahnhofsviertel bewegen können.“

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