Kultur Münster
Monumentale Matthäus-Passion

Montag, 18.04.2011, 18:04 Uhr

Münster - „Lass ihn kreuzigen!“ geifert Volkes Stimme. Zuvor hatte sie in dräuendem Fortissimo den Namen des Barrabas zwischen den Kirchenmauern ertönen lassen und dem Gottessohn damit der Gnade des Pilatus entzogen. Nicht nur in der Pilatus-Szene, auch im Garten Gethsemane beeindruckte die szenische Wucht, mit der Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion am Sonntag durch die Erphokirche hallte.

Ulrich Haspel hatte wahrhaft ausreichend stimmliche Kräfte gebündelt, um in Bachs Gipfelwerk jenen „opernhaften“ Charakter zu betonen, über den die Pietisten seinerzeit die Nase rümpften. Haspel, der den Chören des Collegium musicum vocale vorsteht, bekannte sich auch im Begleitheft zur dramatisch-symbolischen Lesart.

So stand das kleine, feine „ Ensemble 22 “ für Jesu Getreue (wie die Jünger), der Madrigalchor für Jesu Gegner (wie die Hohepriester) und der Universitätschor für das Volk. Im Tutti schließlich erhoben sich jene 14 Choräle, die die Passionsgeschichte in monumentaler Feierlichkeit kommentieren. So breit und klangvoll, wie die drei Chöre das sangen, konnte es niemanden kalt lassen (so weit Bachs eigene Besetzung auch davon entfernt gewesen sein mochte).

Somit wirkte die Aufführung weniger als „komponierte Predigt“ denn als monumentale Erzählung. Aber innige Momente, sie waren da: Wenn etwa Flöten die Alt-Arie „Buß und Reu“ sanft umspielen; und selbstverständlich, wenn die Streicher den Worten Jesu ihren akkordischen Heiligenschein malen. Das Kourion-Orchester weiß sanft zu leuchten, teils auch mit Trauerflor zu spielen.

Und die Stimme Jesu? Die gehört Christoph Scheeben, der seinen Part (nicht zum ersten Mal in Münster) wunderbar ausfüllt. Warm, flexibel und klangschön - ein lyrischer Bass, der mit seiner Rolle verschmilzt. Markus Francke singt den Evangelisten lebendig und sehr textverständlich. Die Arien sind in den verlässlichen Händen von Annette Kleine (Alt) und Cosima Seitz, deren Sopran zwar lieblich, aber kaum bis in die letzte Reihe klingt.

Wie Ulrich Haspel all dies vom Cembalo aus über dreieinhalb Stunden zusammenhielt, war imponierend. Langer, euphorischer Beifall erfüllte die voll besetzte Erphokirche. Aber Matthäus-Passionen, die in Stille endeten, hat man in Münster auch schon erlebt . . .

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