Tanzpädagogik in Holland
Ein Trio aus Münster und Greven ist um einige Tanzschritte voraus

Donnerstag, 28.04.2011, 16:04 Uhr

Greven / Münster - Alle Drei sind spitze: Charlotte Petersen , Friederike Klodwig und Lena Schattenberg tanzen seit vielen Jahren, sind beste Freundinnen und haben jetzt ein Ziel erreicht, von dem viele Nachwuchstalente träumen: Die Drei haben ihre Aufnahmeprüfungen in Amsterdam bzw. in Rotterdam geschafft.

Charlotte Petersen und Lena Schattenberg möchten Bühnentanz studieren. Beide überlegen aber noch, ob in Amsterdam oder in Rotterdam. Für Friederike Klodwig steht dagegen fest, sie studiert Tanzpädagogik in Rotterdam. Und trifft dort Isabel Bernhard aus Münster, die schon ein Jahr früher angefangen hat.

Die Zitterpartie für die Tänzerinnen von der Ballettschule Heidi Sievert aus Münster ist beendet. Unter Hunderten von Bewerbern wurden sowohl in der Tanzakademie in Rotterdam als auch an der Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten nur jeweils 20 angenommen. Die jungen Mädchen aus Greven und Münster kämpften, gaben alles. Zwischendurch, sagt Charlotte Petersen, „hatte ich das Gefühl, die Krise zu kriegen“. Stundenlang warteten die Mädchen auf das Ergebnis. Dann kam die Erlösung.

300 Tänzer haben in Amsterdam vorgetanzt, sagt sich Charlotte Petersen. 20 dürfen bleiben. Charlotte Petersen und Lena Schattenberg sind dabei. In Rotterdam war Friederike Klodwig sogar die einzige Tänzerin aus Deutschland, die sich erfolgreich bis in das Spitzenteam gekämpft hat.

Der Stress hört aber für das Trio in diesen Tagen noch nicht auf. Aktuell stecken die drei Gymnasiastinnen mitten in den Abivorbereitungen. Charlotte Petersen paukt in Greven, die beiden anderen Finalistinnen sind auf dem Mauritz-Gymnasium. Mit dem Abi in der Tasche haben die Drei feste berufliche Pläne - und sind damit vielen ihrer Mitschüler um einige Tanzschritte voraus.

Die Eltern stehen dahinter. Zwischen 1500 und 1600 Euro kostet das Studium pro Jahr in den Niederlanden. „Die Ausbildung dort ist moderner und vielseitiger“, lobt Heidi Sievert. In Deutschland müssen die Studienanfängerinnen jünger sein, sie aber rate den Mädchen, erst das Abitur zu machen.

Heidi Sievert ist stolz auf ihre Schülerinnen, die seit über zehn Jahren in ihrer Ballettschule tanzen, trainieren und in den Ferien auch noch Workshops besuchen. Normalerweise geht sie sparsam mit Lob um, nach einem solchen Erfolg aber ist das anders.

Alle drei Tänzerinnen sind lange dabei. Charlotte Petersen kam durch eine Freundin mit fünf Jahren zum Tanzen. Zwischendurch hat sie noch Querflöte gespielt, war Messdienerin und hat in der Bücherei mitgeholfen. Irgendwann war klar, sagt sie, „dass ich mehr tanzen möchte“. Die 19-Jährige kommt wie ihre Freundinnen fünf Mal in der Woche in die Ballettschule. „Das hört mit der Prüfung in Amsterdam auch nicht auf“, so Heidi Sievert. „Ein Tänzer kann sich nicht so schnell erlauben, nicht zu trainieren.“

Auch die 18-jährige Friederike Klodwig hat viele Aktivitäten ausprobiert und sogar Fußball gespielt. Mit sechs Jahren begann sie zu tanzen - und ist dabei geblieben.

Svenja Gasche und Petra Wiegert, die gemeinsam mit Heidi Sievert die Schule leiten, sind von Friederike Klodwigs Talent überzeugt. „Sie hat die Begabung und kann das richtig rüberbringen.“ Auch Svenja Gasche und Petra Wiegert haben ein vierjähriges Studium zur Tanzpädagogin an der Rotterdamse Dansacademie (NL) abgeleistet.

Die Dritte im Bunde, Lena Schattenberg, kam mit elf Jahren relativ spät in die Ballettschule. Heidi Sievert hat das Talent des Mädchens bei einer Matinee entdeckt. Jetzt ist sie 19 und träumt von Engagements in Tanzkompagnien.

Drei Jahre dauert nun aber zunächst das Studium, dann steuern die Studenten ein einjähriges Praktikum in einer der zahlreichen Tanzkompagnien an.

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