Bücher- und Bouquinistenmarkt im Kuhviertel
Suchen, digitalisieren und restaurieren – Gedanken über alte Bücher

Bücher- und Bouquinistenmarkt im Kuhviertel Suchen, digitalisieren und restaurieren – Gedanken über alte Bücher Von Meike Lorenzen Bücher, Karten, Noten und Stiche – die Auswahl alter Schriftstücke, die am kommenden Sonntag im Kuhviertel angeboten werden, ist groß. Bereits zum sechsten Mal kommen dann Buchhändler aus ganz NRW nach Münster, um ihre Raritäten auf dem Rosenplatz...

Dienstag, 31.05.2011, 00:05 Uhr

Münster - Bücher, Karten, Noten und Stiche – die Auswahl alter Schriftstücke, die am kommenden Sonntag im Kuhviertel angeboten werden, ist groß. Bereits zum sechsten Mal kommen dann Buchhändler aus ganz NRW nach Münster, um ihre Raritäten auf dem Rosenplatz anzubieten. Es ist ein Büchermarkt mit Atmosphäre, die nicht zuletzt durch die alten Schinken entsteht. Doch was macht eigentlich die Faszination alter Bücher im Zeitalter digitaler Medien aus? Ein dunkler Raum, ein alter Mann in Strickjacke klettert auf einer Leiter die Bücherwand hinauf, zieht ein Buch heraus und klopft den Staub ab – und Kunden, die sich stundenlang durch die Bestände Wühlen, ehe der richtige Titel gefunden ist. So mag das Bild nicht weniger sein, wenn sie an den Kauf alter Bücher denken. Es ist ein romantisches Bild, dass weitestgehend veraltet ist. Denn die Suche nach alten Titeln findet kaum noch in Antiquariaten statt - sondern im Internet. Das neue Medium hat Möglichkeiten geschaffen, ein Buch mit Hilfe von Handelsplattformen komfortabel zu finden und zu kaufen. Einer dieser Anbieter ist das Unternehmen Justbooks.de. Über dieses und weitere Portale haben Kunden insgesamt direkten Zugriff auf 35 Millionen vergriffene und antiquarische Bücher. Titelsuche im Netz Ein Angebot, dass massiv genutzt wird. Laut einer Justbooks-Erhebung beläuft sich der Marktanteil antiquarischer Bücher, die im Netz verkauft werden, auf zehn Prozent. Im Neubuchhandel liegt die Zahl bei bei gerade einmal zwei bis drei Prozent. Entsprechend sind über die Hälfte aller Antiquariate in Deutschland auch online vertreten. Jeder will sein Stück vom Kuchen. Der Umsatz in diesem Segment liegt in Deutschland bei rund 500 Millionen Euro. Digitalisieren oder Restaurieren? Dass alte Bücher überhaupt erhalten bleiben, ist eine der Aufgaben von Reinhard Feldmann . Er ist der Leiter des Dezernats für Historische Bestände der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (ULB). Wenn er von alten Büchern spricht, meint er nicht vergriffene Titel der letzten hundert Jahre. Für ihn beginnt die Zeit des alten Buches mit dem Buchdruck durch Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts und endet mit den letzten Handpressen gegen 1830. Hinzu kommen einige schützenswerte Drucke, beispielsweise erste Werke nach den Weltkriegen. 250.000 von drei Millionen Exemplaren gelten in der ULB als selten und schützenswert. „Wir haben noch lange nicht alles digitalisiert“, sagt Feldmann und gibt einige Probleme zu bedenken. „Die Digitalisierung von Büchern ist nicht billig. Außerdem müssen auch digitale Informationen langfristig sicher gespeichert werden.“ Ein Problem, dass gesamtgesellschaftlich noch lange nicht gelöst ist. <2>Neben Geldern zur Digitalisierung stehen Reinhard Feldmann für die Restaurierung von Titeln 120.000 Euro pro Jahr durch Mittel aus einer Bestandserhaltungskonzeption des Landes Nordrhein-Westfalen zusätzlich zur Verfügung. Täglich bewegt er sich in dem Konflikt „restaurieren oder digitalisieren“. Vor allem für die Forschung sei die Bestandserhaltung wertvoll. „Die Zusammengehörigkeit einer Sammlung und ihr historischer Kontext lässt sich besser bei einer physischen Sammlung erreichen“, sagt Reinhard Feldmann. Schaut man sich zum Beispiel eine Sammlung an Titeln zum Bergbauwesen an, so repräsentiere diese auch immer einen bestimmten Wissensstand einer Zeit. Ähnlich sehe es mit Lexika aus. „Schlägt man einen bestimmten Begriff, wie zum Beispiel Hysterie, in einem Lexikon nach, dann wird man, je nachdem aus welchem Jahr das Lexikon ist, eine andere Erklärung bekommen. So veralten Lexika nicht, sondern geben den Geist einer Zeit wieder.“ <3>Ein weiterer Faktor, warum es wichtig ist, gewisse Bücher zu erhalten, ist das Material, aus dem ein Werk hergestellt ist. „Besonders die alten Titel haben oft ganz individuelle Merkmale“, sagt Feldmann. In den Anfängen des Buchdrucks seien lediglich rohe Bögen gekauft worden, aus denen dann ein Buch mit individuellem Einband gebunden wurde. „Entsprechend kann man zum Beispiel Bücher des Jesuiten-Ordens recht einfach an dem preiswerten Pergament-Einband und den rot hinterlegten Signaturschildern erkennen.“ Die Digitalisierung zeigt Ihre Stärken in der schnellen Bereitstellung von Texten, die Geschichte der Einzelobjekte und der Individualität der Bücher kann sich aber besser am Original zeigen. Und so versteht Reinhard Feldmann digitale Medien und alte Bücher als Hybrid – in der Forschung kann das eine ohne das andere nicht existieren. Büchermarkt für jedermann Ganz gleich, was hinter den Mauern der Universitätsbibliothek passiert oder wie massiv Kunden ihre alten Bücher im Internet kaufen, der Büchermarkt im Kuhviertel wird von Jahr zu Jahr immer beliebter. Und warum ist das so? Weil eben nicht alle Liebhaber oder Experten sind. Wenn es um alte Bücher geht, sind gerade in einer Unistadt wie Münster nicht wenige Laien einfach neugierig. Ihnen bietet der Büchermarkt jeweils an den ersten Sonntagen im Juni, Juli und August ein vielfältiges Angebot. Denn zwischen Belletristik, Kinderbüchern, Reiseliteratur, Bildbänden und Grafiken ist am Ende doch für jeden etwas dabei. Link zur Bestandserhaltung Münster Link zur WN-TV-Serie Buch der Woche

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