Kultur Münster
Im Reich der gleichen Zeiten

Donnerstag, 19.05.2011, 16:05 Uhr

Münster - Vor genau 40 Jahren hieß ein Hit von Barry Ryan : „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt“. Aber auch vor Fotografen. Beweisfotos sind ab Sonntag im Stadtmuseum zu sehen . . .

Die Friedrich-Hundt-Gesellschaft präsentiert dort eine Ausstellung mit Fotokunst von Martina Muck und Ulrich Haarlammert. Und die beiden „Zeitmagier“ passen verblüffend gut zusammen. Muck verschafft der Zeit der Dämmerung durch Lampen, Leuchten und kalkulierte Bildausschnitte einige seltsam heimelige und unheimliche Orte. Haarlammert fotografiert zu verschiedenen Zeiten dieselben Orte und bewirkt dadurch mal amüsante, mal irritierende, in fast jedem Fall faszinierende Effekte.

Die Licht-Künstlerin Martina Muck zeigt 22 Fotografien, zwei Videos und eine Installation. Vor allem in ihren Fotografien thematisiert die Münsteranerin das Licht-Gleichgewicht, die Balance von nicht mehr hell und noch nicht dunkel. Dieser Drahtseilakt des Unentschiedenen und zugleich Bestimmen gelingt ihr durch das raffinierte Arrangement von Ort, Ausschnitt und einem platzierten Gegenstand.

Meist ist es eine spießige Schirmlampe, die das Heimelige verkörpert. Sie steht auf Brachflächen oder in Abrisshäusern, spiegelt sich oft in Pfützen. Manchmal bestimmt die Künstlerin den Ausschnitt so, dass lediglich das Spiegelbild das Licht repräsentiert, manchmal erinnert lediglich das Restlicht der Sonne am Himmel im Hintergrund an den Tag.

Ulrich Haarlammert bringt den vollen Tag und die volle Nacht zu Geltung - aber eben gleichzeitig. Der Ort ist stets identisch, aber die Zeit variiert. Dabei setzt er in seiner Serie „Gegenwarten“ nicht immer auf die Kontraste Tag und Nacht. Zwar ist das Vorbild Rene Magritte auch in der fotografischen Variation sichtbar. Aber Haarlammert zeigt nicht das „Reich der Lichter“, sondern das „Reich der Zeiten“.

In einer neusten Arbeit zum Beispiel ist ein Laster zu sehen, der vorm münsterischen Schloss vorbeirauscht. Auf seinem strahlend weißen Aufleger ist der markante Schlaun-Bau in fotografischer Präzision zu sehen. Schließlich ist es eine Fotografie und keine Abdeckplane mit Foto-Design, sondern dasselbe Schloss, eben nur zu einer Zeit, als der Laster nicht dort war. Das ist fürs Auge irritierend und für den Verstand noch mehr . . .

» Die Ausstellung wird am Sonntag (22. Mai) um 16 Uhr im Stadtmuseum, Salzstraße, eröffnet.

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