Medizinische Fakultät
Verdacht auf gefälschte Doktorarbeiten an Uni Münster

Samstag, 28.05.2011, 11:05 Uhr

Münster - Bisher hatte die Universität Münster noch keinen nachgewiesenen Plagiatsfall. Daran könnte sich nun etwas ändern, denn neuerdings geht die Medizinische Fakultät dem konkreten Verdacht nach, dass in Doktorarbeiten geschummelt wurde.

Dabei geht es um zwei Dissertationen, die angeblich große Übereinstimmung aufweisen. Dies hatten Autoren des Internet-Lexikons Wikipedia bemerkt, als sie einen Artikel überarbeiteten. Wikipedia informierte die Universität, nun wird der Fall geprüft, wie Dr. Thomas Bauer , Sprecher der Fakultät, bestätigt.

Beide Arbeiten, die experimentelle Untersuchungen auswerten, wurden nach Bauers Angaben im Abstand von drei Jahren von demselben Doktorvater betreut. Er ist, wie die beiden Verfasser der Dissertationen, aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Außerdem dürfe der Professor keine weiteren Promovenden betreuen, bis der Fall geklärt sei, so Bauer.

Nach Recherchen unserer Zeitung geht es in den beiden Arbeiten um das Thema Prostatakrebs. Die Datenbank der Fakultät listet dazu seit 1996 17 Arbeiten auf. Die beiden ins Visier der Wikipedia-Autoren geratenen Doktorarbeiten sollen sich nach Informationen der Redaktion fast wortgleich ähneln.

Eine der beiden Stellungnahmen von den Autoren liege der Fakultät vor, sagt Thomas Bauer, ohne über den Inhalt etwas verlauten zu lassen. Seit 2010 gibt es an der Medizinischen Fakultät ein Qualitätssicherungsverfahren bei Promotionen. Dabei müssen die Promovenden eine Erklärung unterschreiben, dass sie sich „an die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis“ halten.

Auch an der Universität gibt es zentral bereits seit Jahren eine Kommission, die sich dieser Aufgabe widmet. Rektorin Prof. Dr. Ursula Nelles bezeichnete das Gremium in der jüngsten Senatssitzung als „Task Force“, die die Fachbereiche in Verdachtsfällen berate. Eine „überbordende Anzahl von Anzeigen“ gibt es nicht, sagte die Rektorin dem Senat, ohne den konkreten Fall zu erwähnen. An der Medizinischen Fakultät werden jährlich 300 Doktorarbeiten verfasst, so viele wie an keiner anderen Fakultät der Universität.

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