Nachrichten Münster
Der Weltenradler kehrt zurück

Freitag, 06.05.2011, 20:05 Uhr

Münster - Ein Weltenradler ist ein harter Knochen. Doch einmal wurde sogar Patrick Pohl ein kleines bisschen weich: als er, noch in Polen, zum ersten Mal nach über einem Jahr wieder den Namen einer deutschen Stadt auf einem Verkehrsschild sah. Dresden...

Am 30. März 2010 hat Patrick Pohl Münster auf seinem Fahrrad „Gisela“ verlassen. Dann ist er quer durch die USA geradelt, hat die Südinsel Neuseelands und den australischen Kontinent umrundet, ist über Hongkong nach China eingereist, war am „eurasischen Pol der Unzugänglichkeit“ so weit von einer Meeresküste entfernt wie nur irgend möglich, musste bei minus 20 Grad in der Steppe Kasachstans kampieren, empfand Russland schließlich als Erholung und ist nun über die Ukraine und Polen nach Deutschland zurückgekehrt. Nach einem Jahr, fünf Wochen und zwei Tagen, kam er wieder auf dem Prinzipalmarkt an.

Er hat sich verändert: „Ich bin ein behaartes Skelett geworden“, berichtet er lachend. 20 Kilo hat Patrick Pohl abgenommen; aber dafür wäre er jetzt beim Münsterland-Giro ganz vorne dabei. „Nur Reserven habe ich keine mehr...“ Die Gesundheit hat jedenfalls erstaunlich gut mitgespielt, keine Erkältung, nichts. Dafür die üblichen Radfahrermacken: Krämpfe, Zerrungen, ein wunder Po - „aber drei oder vier Stürze habe ich heil überstanden“.

Der zweite Teil der Reise - China, Kasachstan, Russland - war hart. Die Menschen waren immer sehr nett, aber da waren ja kaum Menschen. Dazu die schlechten Straßen, die eisige Kälte und - in China - das behördliche Misstrauen gegen skurrile Ausländer. „Ich habe das unterschätzt“, sagt Patrick Pohl, „Der Winter hat an den Nerven gezerrt.“ Den Aufenthalt in Münsters Partnerstadt Rjasan habe er als notwendige Pause eingelegt. Für die Rückfahrt nach Deutschland hat er dann die bequemere Südstrecke gewählt: „Es hätte nicht länger sein dürfen.“

Die schönste Erfahrung der Reise? „Die Gastfreundschaft, zumal ich drauf angewiesen war. Das war überall unglaublich.“ Ein seltenes Glücksgefühl war es auch, nach drei Wochen Gegenwind endlich wieder Rückenwind zu spüren - auch wenn der so stark war, dass man bremsen musste. Dass er in einer einsamen Bucht im Süden Australiens eine Herde von 20 Walen beobachten konnte, erwähnt Patrick Pohl obendrein.

Falls jemand so tollkühn ist, die Reise nachahmen zu wollen, hat Patrick Pohl ein paar gute Tipps parat. Zum Beispiel diesen: nicht zu viel Ausrüstung mitzuschleppen, die passende Jahreszeit auszuwählen und den Gegenwind in den USA nicht zu unterschätzen („am besten von West nach Ost fahren“).

Sonst noch was? „Nö“, sagt Patrick Pohl gelassen, „einfach starten.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/240360?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597157%2F696313%2F
Nachrichten-Ticker