Standard-Amtskette ist 150 Jahre alt
Der Herr der Ketten - Münsters Oberbürgermeister hat die Qual der Wahl

Montag, 02.05.2011, 02:05 Uhr

Münster - Wenn es um Amtsketten geht, gehört Münsters Oberbürgermeister zu den am besten ausgestatteten Stadtoberhäuptern der Republik: Ihm stehen gleich drei Bürgermeisterketten zur Verfügung.

Gleichwohl ist die Auswahl leicht eingeschränkt. Denn zwei Ketten sind gewissermaßen baugleich, weil die eine ein Duplikat der anderen ist. Und die dritte Kette liegt normalerweise im Museum. Sie ist in den letzten 100 Jahren vermutlich nur ein einziges Mal von einem Oberbürgermeister getragen worden. Von Markus Lewe .

Und das kam so: Lewe war mit seinem Sohn im Stadtmuseum , wo den beiden die in einer Vitrine ausgestellte schmucke Bürgermeisterkette ins Auge fiel. Da habe er erst gedacht: „Boh, ist die schön“, sagt der OB - und dann: Ob man die wohl ausleihen kann?

Man konnte. Und so trat der Oberbürgermeister bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises erstmals mit der Museumskette auf. Die meisten haben es vermutlich gar nicht bemerkt. Aber dem scharfen Blick des ehemaligen Oberbürgermeisters Dr. Jörg Twenhöven war es nicht ergangen. Und der mokierte sich bei passender Gelegenheit, Lewe sei mit einer „Karnevalskette“ aufgetreten. Was so falsch nicht ist, denn diese Kette befand sich in der Tat mal in karnevalistischen Händen...

Der Reihe nach:

Die erste münsterische Bürgermeisterkette stammt aus dem Jahr 1852. Der damalige Oberbürgermeister Johann Heinrich von Olfers erhielt seinerzeit vom preußischen König das Recht, eine Amtskette zu tragen. Es war eine persönliche Auszeichnung für von Olfers - und deshalb „durfte“ er die Kette auch selbst bezahlen. Das Schmuckstück war also sein privates Eigentum, sie wurde innerhalb der Familie vererbt und landete irgendwann beim Freiherrn Josef Kerckerinck zu Borg, der sie Mitte der 1980er Jahre der Karnevalsgesellschaft Paohlbürger vermachte.

Seitdem liegt die Kette als Dauerleihgabe im Stadtmuseum - auch wenn der Besitzer zwischenzeitlich noch mal gewechselt hat: 1993 erwarb die Sparkasse das gute Stück - für 120 000 Mark, wie es damals hieß.

Die zweite münsterische Bürgermeisterkette stammt aus dem Jahre 1861. Damals erhielt von Olfers` Nachfolger, Oberbürgermeister Caspar Offenberg, ebenfalls das Recht, eine Amtskette zu tragen. Aber diesmal beschlossen die Stadtverordneten, nunmehr eine Kette auf Kosten der Stadt anzuschaffen. Diese Kette ist heute noch in Gebrauch.

Die dritte münsterische Bürgermeisterkette stammt aus den 1970er Jahren und ist ein Duplikat der zweiten. Weil das historische Schmuckstück bei einem Besuch in Orléans mal kurzfristig verloren gegangen war, beschloss Oberbürgermeister Dr. Werner Pierchalla, eine „Reisekette“ anzuschaffen. Ein befreundeter Zahnarzt schuf das Duplikat aus Zahngold und hat es der Stadt geschenkt, so der 89-jährige Ex-OB. „Sehr gut gemacht“, sagt Protokollchefin Ursula Suer, „man sieht den Unterschied nur, wenn sie nebeneinander liegen.“

Die „Museumskette“, ist farbiger und kürzer, sagt Oberbürgermeister Markus Lewe. Und deshalb lässt sie sich auch besser tragen. Denn die „normale“ Amtskette ist länger und muss deshalb auf der Schulter befestigt werden, „damit sie nicht durchhängt“. Lewes Vorgänger Dr. Berthold Tillmann hatte sich zu diesem Zweck extra Schlaufen an die Anzüge nähen lassen, Lewe selbst lässt sich das gute Stück mit großen Stecknadeln befestigen.

Beide Ketten, so sagt der Oberbürgermeister, „haben ihren Charme“. Und Lewe will sich auch durch Twenhövens Seitenhieb mit der „Karnevalskette“ nicht beeindrucken lassen: „Bei passender Gelegenheit werde ich auch diese Kette mal wieder tragen.“

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