Kultur Münster
Die Erdnuss wird zur Butter-Säule

Münster - Die Säule mitten im Raum sieht aus, als sei sie frisch gegossen. Holzummantelt ist ihr Inneres. Und dann dieser Geruch. Was aus den Ritzen herausquillt, hat eine breiige Konsistenz. Es ist - Erdnussbutter. 70 Kilo davon hat René Haustein zwischen die Holzlatten gepresst. Als „Abspaltungsmodell“ bezeichnet der Kunstakademie-Student sein Werk - was eine nette Anspielung...

Samstag, 18.06.2011, 00:06 Uhr

Münster - Die Säule mitten im Raum sieht aus, als sei sie frisch gegossen. Holzummantelt ist ihr Inneres. Und dann dieser Geruch. Was aus den Ritzen herausquillt, hat eine breiige Konsistenz. Es ist - Erdnussbutter. 70 Kilo davon hat René Haustein zwischen die Holzlatten gepresst. Als „Abspaltungsmodell“ bezeichnet der Kunstakademie-Student sein Werk - was eine nette Anspielung auf den Brotaufstrich ist, der eine Abspaltung der Erdnuss ist. Die „Temporäre Kunsthalle“ am Drensteinfurtweg, in der das Werk von heute an (Eröffnung 19 Uhr) in der Ausstellung „New Is The New New“ zu finden ist, liefert noch eine weitere Sinnkomponente. Denn ins Verhältnis gesetzt mit den Wandsäulen ergibt sich laut Haustein ein Größenzueinander, das dem von Erde zu Mond entspricht - auch dies sei bekanntlich das Ergebnis einer Abspaltung, so Haustein ... Das klingt abgehoben. Doch wenn man Michael Pohl fragt, den Kurator der Schau, die die Kunstakademie als ihren Beitrag zum Kunstprojekt „Zen­tral“ versteht, dann „muss man all das gar nicht wissen“. Es genüge, die Arbeiten auf ihre Sinnlichkeit hin wahrzunehmen, sagt der Künstler aus Berlin, vormals Münster. Gesagt, getan: Bei Dino Steinhof, der eine Klanginstallation mit Bass in Form einer schwarzen Box in die Ausstellungshalle auf Zeit gesetzt hat, ist die Assoziation zur schwarzen Kassette nicht weit. Maria Gerdwilkers Arbeiten aus Abfallholz, aufgebaut auf einem filigranen Podest im Eingangsbereich, kann der Betrachter als Erinnerung an Ereignisse oder Erkenntnisse erkennen - ohne zu wissen, dass Sprungturm, Achterbahn und gekittete Sprechblase auf realen Autobiografien fußen. Auch Ferdinand Uptmoors gemalte Matratzenbilder und Inga Krügers auf Architekturplanpapier kopierte Grafit-Frottagen einer Plakatwand lassen sich wie Landschaftsreliefs lesen. Doch spätestens bei Robin Ortgies „Mem-Generator“ sind weitere Infos nützlich. Was eine Mem ist etwa. Eine Gedankeneinheit nämlich, so stehts bei Google, die sich durch Kommunikation ihrer Träger vervielfältigt. Der präparierte Widderkopf im Zentrum der Installation, die an eine Versuchsanordnung erinnert, bleibt dennoch rätselhaft. Immerhin: Der Spruch „stare dont care“ (frei: Starre und kümmere dich nicht) lässt schmunzeln. Bleiben die in Gruppen arrangierten kleinen Skulpturen von Maarten Van Roy, Austauschstudent aus dem belgischen Gent, und die Raum-im-Raum-Installation von Philipp Höning, der „Wege aus der Kunst“ offeriert. Ihn interessierten „geistige Zustände“, nicht bestimmte Ausdrucksformen, sagt Kurator Pohl. Wer sie verstehen will, kommt allerdings mit Sinnlichkeit allein nicht weiter.
» Bis 29. Juli am Drensteinfurtweg 32; geöffnet: Samstags und Sonntags von 16 bis 19 Uhr

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