Münsterischer Professor macht Jagd auf Plagiate
„Politiker, zeigt her eure Doktorarbeiten“

Dienstag, 28.06.2011, 04:06 Uhr

Münster - Die münsterischen Bundestagsabgeordneten können sich ganz entspannt zurücklehnen. Bei der Aktion, zu der der Münsteraner Uwe Kamenz , Professor an der FH Dortmund , Initiator des „Prof.Net“ und Gründer des Instituts für Internet-Marketing aufgerufen hat, können sie gar nicht negativ auffallen.

Ruprecht Polenz ( CDU ), Christoph Strässer (SPD), Maria Klein-Schmeink (Grüne) und Daniel Bahr (FDP) eint, dass sie keinen Doktortitel haben. Denn Kamenz, der der Wissenschaftlerzunft generell in Sachen akademischer und sonstiger Redlichkeit auf die Finger klopft, hat am Wochenende alle 114 Doktortitelträger unter den Abgeordneten des Deutschen Bundestages persönlich dazu aufgefordert, ihm ihre Dissertation zur Überprüfung zur Verfügung und die Arbeit auch ins Internet zu stellen.

„Bisher gibt es noch nicht viel Resonanz“, berichtet Kamenz einen Tag nach dem Aufruf. Vier Büroleiter von Abgeordneten hätten sich gemeldet - und ausgerichtet, es gebe keine Möglichkeit, die Arbeit zur Verfügung zu stellen.

Er werde aber alle Dissertationen über die Bibliotheken und notfalls die Verlage beschaffen, kündigt Kamenz an. Er rechnet fest damit, nach den Fällen zu Guttenberg und Koch-Mehrin weitere Plagiate zu finden.

Zuerst nimmt er Arbeiten aufs Korn, die ab dem Jahr 2000 erschienen sind. Erst seither sei das Internet so verbreitet, dass das Schummeln per „Copy and Paste“ sich überhaupt angeboten habe.

Kamenz glaubt bei alledem nicht, dass Politiker mehr als andere Berufsgruppen beim Doktortitel pfuschen. Die Politiker nimmt er nur aufs Korn, weil er sich so mehr „Publizität für das Thema“ verspricht. Das Ziel: Es möchte jedem Promovenden klar sein, dass Plagiatoren auffallen. „Irgendwann wird keiner abschreiben.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/230273?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F597157%2F696311%2F
Nachrichten-Ticker