Klimaschutz aus dem Internet
Münsteraner betreibt ein Internet-Portal zum Stromvergleich

Dienstag, 12.07.2011, 20:07 Uhr

Münster - Sein Weg zur Arbeit ist vollkommen CO2-frei. Dr. Jörg Heidjann geht am Kinderzimmer vorbei, eine Etage hoch in seinem großen Haus im Hansaviertel. Eine Weltkarte an der Wand, ein paar Familienfotos über Akten und ein Apple . Darauf hat er eine Facebook-Seite angeklickt, die seine Idee ist: „Die Klimaschützer“. 11695 „Freunde“ hat die Social-Media-Kampagne aus Münster. 500.000 Mal werden deren Beiträge im Monat aufgerufen. „Für uns“, sagt Heidjann, „ist das sehr positiv.“

Heidjann, studierter Physiker, hat mal eine Promotion über die Gefahren des Inline-Skatens geschrieben. Lang' ist es her, auch wenn er erst 43 ist. „In den 90ern habe ich schon eine Internetumfrage gemacht“, sagt er, „und für die Uni Seiten programmiert.“ In der Frühphase des Internet war sein Weg danach vorgezeichnet. Er ging nach Hamburg, baute den Online-Dienst von AOL mit auf: „Eine super spannende Sache.“

Nachher jobbte er bei „FriendsScout24“, „ein hochanständiges Partner-Portal, das es immer noch gibt“. Dann machte er sich in Köln selbstständig. Mit „Getprice“ hat er 2001 ein Preisvergleichsportal eröffnet. Damals eine neue Sache. Mittlerweile, sagt er, tummeln sich auf dem Markt die Großen: „Da kommen die Amerikaner - und der Wettbewerb wird immer stärker.“

Sein Standbein ist derzeit das Portal www.stromauskunft.de. Ein Angebot, das Wechseln der Stromanbieter leicht macht. „Nach Fukushima gab es einen Schub in Richtung Ökostrom-Anbieter“, sagt Heidjann, „bei drei von vier Verträgen, die gemacht wurden, wechselten die Kunden zu Ökostrom.“

Heidjann kommt aus einer Ingenieursfamilie. Sein Vater Franz hat für Claas in Harsewinkel jede Menge Mähdrescher-Patente gesichert. Seine Mutter macht dem Junior heute die Buchhaltung: „Sehr genau, kann ich nur empfehlen.“ Wenn man etwas ändern will, muss man kreativ sein, weiß er. Die nach Heidjanns Angaben größte Facebook-Community Deutschlands zum Thema Klimaschutz produziert viele praktische Tipps zum Selbermachen: Öfter Fahrrad fahren, regionale Lebensmittel essen, auf Verpackung verzichten - auf Ökostrom umsteigen.

2010 wurden „Die Klimaschützer“ als innovatives Konzept im Jahrbuch der Werbung ausgezeichnet. Es gab Nominierungen für mehrere Medien-Preise.

Wobei der Auftritt in den Social-Media Facebook, Myspace und Twitter auch auf Heidjanns sonstige Geschäfte zurückschlägt. „Wir bauen auf unserer Seite eine CO2 -Sparuhr ein.“ Zudem überlege er, ein Portal anzubieten, das Ökostromanbieter miteinander vergleicht. Denn unter den vielen, die sich im Markt tummeln, seien nur eine Handvoll, die auch nachhaltig vorgingen: „Sie müssten in regenerative Energien investieren.“

Zum Schluss ein Vergleich, den Heidjann präsentiert: „Ein US-Bürger produziert jährlich 20 Tonnen CO2, ein Bundesbürger zwölf Tonnen“, listet er auf, „ein Mensch in Uganda nur 0,1 Tonnen.“ Bleibt jede Menge zu tun.

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