Kultur Münster
Ballett der Papierrollen

Montag, 04.07.2011, 18:07 Uhr

Münster - Bei moderner Kunst, respektive bei Installationen, riskiert der Laie gerne einen zweiten Blick, sofern er beim ersten flüchtigen Eindruck an eine Sinnestäuschung glaubte. Doch tatsächlich: Was in dem kleinen Galerieraum des Cuba an zwei gegenüberliegenden Wänden hängt, ist nichts anderes als schnöde Toilettenpapierrollen. Die allerdings haben ihr Eigenleben. Und dies nicht nur durch die Elektronik, die Tina Tonagel aus Köln geschickt in ihre Arbeit integriert hat.

Kunsthistoriker Dr. Stephan Trescher , Kurator der Ausstellungen im Cuba an der Achtermannstraße, traf im Atelier des Münsteraners Stephan Us auf die Medienkünstlerin. Tina Tonagel arbeitet multimedial, an der Schnittstelle von Bild, Musik, Maschinen, Performance und Skulptur. „Ciaccona di paradiso, e dell´ inferno“ lautet der italienische Titel ihrer aktuellen Installation - was sich übersetzen lässt mit: „Ein Schwätzchen zwischen Himmel und Hölle“. Wobei das Wort „Ciaccona“ ursprünglich ein Tanzlied im Walzertakt bezeichnet.

Tanz und Bewegung ist die eine, offensichtliche Ebene der Installation. Schon die Einladungskarte zur Schau zeigt zwei Rokoko-Herren in verzückter Tanzhaltung. Bereits hier beginnen aber die vielschichtigen Irreführungen, mit der die Künstlerin spielt. Denn mitnichten gibt es im Cuba hübsche Zeichnungen aus dem 17. Jahrhundert zu sehen.

Stattdessen wird der Besucher ermuntert, im Ausstellungsraum einen bestimmten Knopf zu drücken. Unmittelbar danach ertönt das Musikstück, dem die Installation ihren Titel verdankt. Eine weiblich, hohe Stimme, die sich als Countertenor entpuppt, singt vom Paradies, die fünf weißen Toilettenpapierrollen bewegen sich dazu vor schwarzer Wand in einem harmonischen Auf und Ab. Die schwarzen Papierrollen gegenüber jedoch geraten beim männlichen Bassgesang über die Schrecken der Hölle in unkontrollierte Wallung. Ein amüsantes, trickreich inszeniertes Ballett. Und ganz sicher „keine Kunst für den A...“, wie Kurator Stephan Trescher bei der Begrüßung konstatierte.» Die Ausstellung im Rahmen des Zentrale-Festivals ist bis zum 12. August montags bis freitags von 10 bis 21 Uhr zu sehen.

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