Kultur Münster
Gucken tut man dennoch!

Mittwoch, 06.07.2011, 20:07 Uhr

Münster - Wer beim Betreten des Raumes Sebastian Wickerots streng geometrische Installation vor dem geistigen Auge hat, die dort zuletzt zu sehen war, wird vermutlich die Luft anhalten. Schier überbordend ist die installative Arbeit, die Xenia Lesniewski nun beim Förderverein Aktuelle Kunst ( F.A.K .) im wandelbaren Ausstellungsraum bereithält. Und dann lautet die entscheidende Frage: Ist der Besucher eher ein Bilder- oder ein Buchstabenfreak?

Lesniewski, die 1985 in Frankfurt am Main geborene, zurzeit in Wien lebende Künstlerin, macht es ihrem Publikum nicht leicht. Denn so vertraut vielleicht Sätze und Symbole, so verstörend ist die Art, in der sie ihre Bilder in der Schau „The Sensation Club - Xenia in Love“ kombiniert. Die Künstlerin befasst sich in ihren wuseligen Arbeiten mit soziologischen, psychologischen, philosophischen und sexualwissenschaftlichen Theorien und Erkenntnissen. Aber auch mit persönlichen Gedanken und Beobachtungen, die sie in ein kleines Notizbuch kritzelt. Mit dem, was sie dort niederschreibt, setzt sich Lesniewski dann in Bild, Installation und Video mal sehr abstrakt, mal sehr konkret auseinander.

Ihre Herangehensweise nennt sie emotional, ihre Arbeitsweise prozesshaft, ihre Kompositionen formal. Und doch ist ihre medienübergreifende Arbeit beim F.A.K. von Gegensätzen und Widersprüchen gekennzeichnet. Fast schon aggressiv wirkt, wie sich Bilder überlagern, wie sie gegenseitig ihre Wirkung brechen. In einen Strudel wird auch der Betrachter gezogen: Er tritt automatisch an die Bilder heran und verliert sich in dieser Nähe. Hängenbleiben und doch scheitern - das scheint das Prinzip.

Lesniewski, die ihre grafischen Bilder mit Bleistift vorzeichnet, nennt ihre Kunst eine „erweiterte Form von Malerei“. Das gilt auch für Papierrollen, die scheinbar zufällig an der Wand lehnen, oder für den Altar aus Silberpapier, der eine Wandskulptur umgibt. Beides könnte auch gemalt sein.

Was die Symbolik angeht, greift Lesniewski auf Weniges zurück: Schnecken, Wellensittiche und Hunde sind wiederkehrende Motive, ihr Selbstporträt auch. Und warum die Neonfarben? „Weil sie in ihrer Intensität erst mal abstoßend wirken.“ Fast verhält es sich wie mit Lesniewskis Kunst: Gucken tut man dennoch!» Bis 4. August beim F.A.K. an der Fresnostraße 8. Eröffnung heute um 19 Uhr.

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