Kultur Münster
Im Scherenschnitt sich selber finden

Montag, 11.07.2011, 19:07 Uhr

Münster - Eine Welt in Schwarz-Weiß. Gut oder schlecht, Rettung oder Untergang - Lena Buchmanns Scherenschnitte verschrecken und ziehen gleichzeitig an. Die Arbeit mit Cutter und schwarzem Papier ergibt ein „ein eher ungewöhnliches Medium in der zeitgenössischen Kunst“, sagt die Düsseldorferin. Aber eines, durch das sich das Morbide in ihren Werken erst richtig entfaltet. Jung und experimentierfreudig: Das ist die Ausstellung „Kontakt“ von fünf Künstlerinnen der Kunstakademien Münster und Düsseldorf im Galeriehaus H18. Am Wochenende war Vernissage.

Es ist eine Reise auf drei Stockwerken - ins Innerste der Künstlerinnen und der eigenen Person. „Wir wollen die Akademieabsolventen fördern und die junge Kunstszene zusammenbringen“, erläuterte Kolja Steinrötter, einer der Galeristen.

Einer von Buchmanns überdimensionalen Scherenschnitten heißt „Good night and good luck“. „Entstanden in 250 Arbeitsstunden“, sagt die Künstlerin. Menschen liegen an Ketten, anderen strecken sich gen Himmel, suchen Erlösung: fast überladen ist das Werk mit religiösen Motiven aus der Malerei der frühen Neuzeit. Es fordert vom Betrachter einiges ab, kann er sich doch nicht ins Reich der Grautöne flüchten. Und muss so entscheiden, wo er selbst steht. Ein knallig bunter Kontrast dazu sind die Werke von Sarah Schleich (Düsseldorf).

Bettina Marx und Daniela Neuhaus (Akademie Münster) haben ihre Bilder so nebeneinander aufgereiht, dass die Besucher daran entlanggehen wie an den Seiten eines Tagebuchs. „Follow you deep inside“ („Folge Dir tief ins Innere“), ein Acryl- und Tusche-Gemälde von Marx, lädt zur Einkehr ein. Weg von der hastenden Menge, die am unteren Bildrand schemenhaft angedeutet ist. Im dritten Stock gibt die münsterische Schülerin Friederike Nemitz Einblicke in ihre eigene Vergangenheit. Sie bearbeitete unter anderem vorgefundene Familienfotos und gab der Serie den Namen „wie wäre mein leben ohne dich“. Diese zeigt eine rekonstruierte Idylle zwischen Glück und Sehnsucht. Auch eine Welt in Schwarz-Weiß.

» Die Ausstellung im Galeriehaus H18, Hüfferstraße 18, ist bis zum 20. August dienstags bis samstags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Auch die Akademie Franz-Hitze-Haus am Kardinal-von-Galen-Ring stellt ab Dienstag (12. Juli) Werke der fünf Künstlerinnen aus.

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