Millionen-Projekt für die nächsten Jahrzehnte
Das Ende der Beton-Aa

Freitag, 29.07.2011, 09:07 Uhr

Münster - „Beton von oben bis unten und von rechts bis links“: Berthold Reloes Beschreibung des Aa-Flussbetts in der Altstadt lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Der Krieg war gerade zu Ende, als die Aa in Beton gegossen wurde - die Menschen hatten damals wahrlich andere Sorgen, als einen Flusslauf den ökologischen Bedürfnissen anzupassen: „Das Wasser sollte schnell und ohne großen Widerstand abfließen“ - mehr nicht, betont der Tiefbauamt-Fachstellenleiter.

60 Jahre danach stehen der Aa nun große Veränderungen bevor. Nicht auf einmal und sofort - sondern erst ab etwa 2016 und dann über einen Zeitraum von „mehreren Dekaden “, wie er betont.

Schließlich geht es um ein Millionen-Projekt, für das ein gewaltiger logistischer Aufwand erforderlich sein wird: Die Betonsohle der Aa soll zwischen Aasee und Kanalstraße nach und nach komplett entfernt und durch naturnahe Materialien ersetzt werden. „Unser Ziel ist es, dass die Aa in Zukunft ein halbwegs funktionierendes Fließgewässer ist - und nicht ein in Beton gefasster Ableitungskanal.“

Ableitungskanal - das ist ein hartes Wort, das allerdings die aktuelle Situation treffend umschreibt. Weil das Wasser viel zu schnell fließt, haben die meisten Lebewesen und Pflanzen keine Chance - sie werden einfach mitgerissen. Überhaupt könnte die Wasserqualität kaum schlechter sein, sagt Reloe.

Schön anzusehen ist das Flussbett in der Altstadt ohnehin nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich langsam, aber sicher auflöst: „Die baulichen Mängel nehmen zu“, berichtet der Tiefbauamt-Mitarbeiter.

Welche Materialien sich für ein neues Aa-Bett am besten eignen, wo der Fluss in Zukunft den bisherigen Lauf zumindest ein bisschen verlassen kann und wo nicht, hat das Tiefbauamt zusammen mit Studierenden der Fachhochschule ermittelt. Die Ergebnisse seien vielversprechend, sagt Reloe. Der Zeitpunkt, das Vorhaben konkret zu planen und nicht nur von einer Renaturierung zu träumen, sei endlich gekommen.

In fünf Jahren könnte der Startschuss fallen, zum Auftakt würde sich der Abschnitt an der Westerholtschen Wiese anbieten, betont Reloe. Danach, so der Plan, soll es Stück für Stück weiter gehen - stetig, aber langsam, „denn was wir vorhaben, ist alles andere als einfach“.

So müsse sichergestellt werden, dass die Seitenwände nicht nachrutschen, wenn die Betonsohle abgetragen wird. Wie es nach der Renaturierung im Aabett aussehen wird, zeichnet sich bereits jetzt vor dem inneren Auge von Reloe ab: Steinschüttungen wechseln sich mit Sand ab, auf dem sich prächtig verschiedenste Pflanzen entwickeln. In regelmäßigen Abständen befinden sich Baumstümpfe, die Kleintieren als Lebensraum und damit als Futterlieferant für Fische dienen und so zur ökologischen Stabilisierung der Aa beitragen. Und die vier hochfahrbaren Metallstufen sollen durch Rampen ersetzt werden, damit die Aa-Bewohner in beide Richtungen schwimmen können.

Alles nur Zukunftsmusik? „Nein“, stellt Reloe klar. „Das wird auf jeden Fall angegangen.“

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