Straßentheater-Festival
Autos trocknen am Dom

Freitag, 15.07.2011, 17:07 Uhr

Münster - „Wir wollen die Leute nicht bespaßen.“ Nach der Furcht vor schlechtem Wetter scheint das die größte Sorge der vier Kuratoren des ersten internationalen Straßentheater-Festivals in Münster zu sein. Clair Howells und Uwe Köhler (Theater Titanick ), Ludger Schnieder (Theater Pumpenhaus), Winfried Bettmer (Filmwerkstatt Münster) und Dr. Gail Kirkpatrick (Städtische Ausstellungshalle) legen größten Wert auf die kritische Reflexion des urbanen Lebens, denn die Stadt solle mehr sein als Kulisse für Konsum. Deshalb findet das dreitägige Spektakel mit dem sperrigen Titel „Flurstücke“ an drei Werktagen inmitten von Geschäftigkeit und Alltagstrubel statt. Doch jenseits aufklärerischer Ambitionen darf angesichts der neun eingeladenen Gruppen aus fünf Ländern eines als gesichert gelten: Die Leute werden ihren Spaß haben.

Ein bisschen Grusel ist auch dabei, wenn Münsters Theater Titanick an zwei Tagen gegen Mitternacht zu einem schlafwandlerischen Spaziergang mit Figuren à la Bosch und Breughel durch die Fegefeuer- und Höllenwelten der Göttlichen Komödie eines Dante lädt.

Den Spieltrieb regt „Medialab“ aus den Niederlanden an. Die Wand der neuen Diözesanbibliothek wird zum Computer-Bildschirm. Ein jeder kann bei „Use Your Head“ den eigenen Kopf einscannen, sich zum Pacman machen lassen und seine eigene Stadt gestalten, wenn er auf die Gespenster achtet. Angie Hiesl und Roland Kaiser präsentieren auf Münsters neuesten Plätzen, Stubengasse und Harsewinkelplatz, zwei Performances um riesige Regalsysteme: Hier führt Gernot Bogumil ein Leben aus Aktenordnern, und Yang Yunzhi sucht sein Heil in massenweise Plastikschüsseln. Überhaupt sind an den drei skurrilen tollen Tagen an vielen Ecken ungewöhnliche Typen unterwegs: „Reverend Billy“ (USA) ist politischer Entertainer und betreibt Kreditkarten-Exorzismus, er missioniert Kunden mit seinem Gospelchor.

Die Gruppe Mahony aus Österreich konfrontiert am Hafen Wirtschaftswunder und Systemkritik. Ein Chor probt „Es geht besser, besser, besser“ von Peter Alexander und Caterina Valente, ein zweiter „Keine Macht für Niemand“ von „Ton, Steine, Scherben“. Getrennt sind die Sänger durch den Atelierspeicher, wo beider Gesang aufeinandertrifft.

Générik Vapeur (Frankreich) schließlich startet am Servatiiplatz mit sieben schneeweißen Autos, die in einer spektakulären Parade bis zum Domplatz gefärbt und dort an die Leine gehängt werden.

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