Kultur Münster
Ein Pilgermarsch zum großen Bach

Sonntag, 07.08.2011, 17:08 Uhr

Münster - Die legendären 400 Kilometer, die Bach einst zu Fuß zurücklegte, um Dietrich Buxtehude an der Orgel zu hören - Prof. Martin Blindow erwähnte sie an diesem Abend nicht. Aber: „Ohne die norddeutsche Orgelschule würde Bach nicht so klingen, wie er es tut“, stellte Blindow, der künstlerische Leiter des Orgelsommers, klar. Denn jene norddeutschen Orgelmeister, die Bachs Gipfelsturm zur Orgelkunst vorgeprägt hatten, waren in der Überwasserkirche zu hören: Matthias Weckmann, Heinrich Scheidemann und eben Dietrich Buxtehude. Der 23-jährige Organist Jan Croonenbroeck legte an diesem Abend seinen persönlichen „ Pilgermarsch “ zu Bach frisch und spannend zurück.

Der Münsteraner studiert gegenwärtig an der Hochschule in Detmold bei Prof. Tomasz Adam Nowak - was angesichts seines zupackenden Spiels und der Freude an prachtvollen Orgelfarben nicht überraschte. Die zahlreichen Besucher zollten dem jungen Virtuosen reichlich Beifall. Meditativ eröffnete Croonebroeck mit Buxtehudes d-Moll-Präludium BuxWV 140 und entlockte der Seifert-Orgel gedeckte Töne: Buxtehude lässt seinem „Stylus phantasticus“ geheimnisvollen Lauf.

Die volle Macht der Register entfacht Croonenbroeck zunächst nicht. Lichte Flöten und Orgelfarben mischen sich immer wieder zum sakralen Aquarell - sei es bei Weckmann („Es ist das Heil uns kommen her“) oder den Motettenkolorierungen eines Heinrich Scheidemann (1596-1663).

Wer so viele Wettbewerbe erfolgreich gemeistert hat wie Jan Croonbroeck, meistert auch einen Prüfstein wie Bachs Triosonate BWV 530. Spannend und kontrastreich bringt er Bach´sche Orgelkunst auf den Punkt. Doch den Klangschaum schlagenden Furor der Romantik weiß er ebenfalls aus den Pfeifen zu zaubern - mit der Sonate Nr.2 von August Gottfried Ritter (1811-1885).

Und kommt man erst zu romantischen Tönen, ist Max Reger nicht weit. Wahrhaft majestätisch, wie der Komponist den Choral „Wie schön leucht´ uns der Morgenstern“ über Fantasie und Fuge auftürmt. Ganz anders Regers sanft einher schreitendes „Benedictus“. Wie sagte Martin Blindow am Anfang? „Musik, wo´s einem warm ums Herz wird.“

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