Kultur Münster
Furioser Fabulierer

Sonntag, 14.08.2011, 18:08 Uhr

Münster - Er sah angeblich Napoleon Bonaparte ähnlich. Er hatte Affären mit berühmten Frauen wie Bettina von Arnim . Er ersteigerte auf dem Sklavenmarkt in Kairo eine abessinische Prinzessin. Und der königlich preußische Hofkoch benannte ein dreischichtiges Sahneeis nach ihm - das Fürst-Pückler-Eis! Fürst Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (1785-1871), den schon seine Zeitgenossen „Der tolle Pückler“ nannten. Ein irrer Typ, würde man heute sagen. Ein PR-Genie, das immer nur fragte: „Reden die Leute über mich?“

In Wilm Weppelmanns Gartenakademie wurde viel von ihm geredet, denn er ist der Held des Romans „Der Gartenkünstler“ - eines „Fürst-Pückler-Romans“, den Ralf Günther geschrieben hat. Der Schriftsteller aus Dresden hat den Abenteurer Pückler „in sich wachsen lassen“, bis er sein Kumpel wurde. Das Grinsen ist Ralf Günther ins Gesicht gemeißelt, wenn er vom „tollen Pückler“ fabuliert, der als Karikatur im ersten Charles-Dickens-Roman auftaucht und der selbst ein großer Fabulierer war: Seine anonym herausgegebenen „Briefe eines Verstorbenen“ waren seinerzeit Bestseller.

Was dieser Teufelskerl mit der Gartenakademie zu tun hat? Pückler war tatsächlich jener „Gartenkünstler“, den der Romantitel annonciert. Er hatte als Adeliger Zutritt zu den prächtigen englischen Gärten seiner Zeit, deren „Konzept der Blickachsen“ er in genial konzipierte Parks in Bad Muskau und Branitz überführte. Riesige Mengen Mutterboden ließ er heranschaffen, um dies in der sandigen Erde von Branitz zu schaffen. „Ein kleines Paradies“, schwärmt Ralf Günther.

Aber was sind alle Gartenparadiese gegen Pücklers Abenteuer? Man hört doch lieber, wie der fesche Fürst in Britannien auf Freiersfüßen wandelt - denn er ist pleite. Eine reiche englische Erbin soll her. Es war sogar die Idee seiner geliebten (und erotisch höchst toleranten) Frau Lucie, sich scheiden zu lassen, um ans große Vermögen zu kommen. Man kommt aus dem Grinsen nicht raus, wenn Pückler sich etwa der bekannten Nymphomanin Laetitia Wyse (einer Nichte Bonapartes!) erwehren muss.

Pückler kehrte zwar ohne reiche Erbin heim, schilderte aber in seinen Briefen den englischen Adel scharf ironisch. Sein Autor Ralf Günther setzt noch einen drauf und fügt der Wahrheit etliche Morde hinzu. Auch Jack the Ripper darf in seinem Roman nicht fehlen . . .

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