Tomasz Adam Nowak eröffnete Orgelwochen
Und im Turm erbebten die Käfige

Montag, 05.09.2011, 09:09 Uhr

Münster - Franz Liszt steht komponierend „Am Grabe Richard Wagners “ - und Tomasz Adam Nowak läutet die Glocken dazu. Von der Orgelempore in St. Lamberti , wo der Kantor seit drei Jahren die Möglichkeit hat, der großen Schuke-Orgel ein Glockenspiel hinzuzufügen.

Wann, wenn nicht jetzt? Bei diesem Orgelabend, der am Samstag nicht barocker Fugenkunst, sondern dem 200. Geburtstag von Liszt gewidmet war. Und ebenfalls Wagner, dem Freund (und Schwiegersohn), dessen Orchesterfarben Nowak schon lange an seinem Instrument erproben wollte.

Ein prächtiger Auftakt der 22. Internationalen Lamberti-Orgelwochen. Liszt und Wagner - an sie denkt man beim Thema Orgel wohl zuletzt. Gerade das machte den romantischen Furor, der aus den Pfeifen schwoll, so aufregend. Die Wagner-Bearbeitungen schuf der Brite E. Lemare (1865-1934), und To-masz Adam Nowak lobte deren Qualität in seiner Einführung ausdrücklich.

Erste Nagelprobe: Der „Karfreitagszauber“ aus dem „Parsifal“. Im riesigen Wagner-Oeuvre findet sich kaum ein schöneres Stück. Die Naturschönheit, die sich dem Gralsritter am Karfreitagsmorgen darbietet, glänzt in einem See aus Orchesterfarben. In der Orgel mischen sich die Klänge eher dunkel als schillernd. Doch zur sakralen Aura des Werkes passt die Orgel verblüffend gut - nicht nur, wenn Nowak stählernen Trompetenglanz im Fortissimo entfesselt.

Wagners „Parsifal“-Motiv ähnelt auch Liszts Orgelstück „Excelsior!“, der Einleitung zu seinen „Glocken von Straßburg“. Wie ein Leitmotiv durchzieht es das Konzert, denn es kehrt „Am Grabe Richard Wagners“ wieder und ebenso in der „Hommage à Franz Liszt“, die Nowak spannend improvisiert. Naturmystik wabert dem Zuhörer wiederum in Wagners „Waldweben“ entgegen. Da tiriliert die Stimme des Waldvogels dem Helden Siegfried durch die Orgelpfeifen Bescheid.

Machtvoll kommt das Liszt-Finale daher, das in der Stadt- und Marktkirche den Genius loci beschwört: mit den Wiedertäufern. Denen komponierte Giacomo Meyerbeer in seiner Oper „Der Prophet“ einen Choral - und Liszt (welche Oper knöpfte er sich nicht vor?) machte eine „Fantasie und Fuge“ für Orgel daraus. Virtuos, weihevoll und bis ins Mark romantisch. Der Lambertikantor zeigte, was in der Schuke-Orgel steckt. So schwer und mächtig, dass oben am Turm die Käfige erbebten!

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