Polnische Casino-Einbrecher vor Landgericht Münster
Von Schweißfüßen und Beutezügen

Mittwoch, 26.10.2011, 09:10 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 26.10.2011, 09:10 Uhr

Münster - Es war bereits der siebte Verhandlungstag im Fall der polnischen Casino-Einbrecher vor dem Landgericht Münster. Und noch immer schwieg das Duo auf die Fragen der Strafkammer. Die Männer im Alter von 33 und 45 Jahren sind angeklagt, im Zeitraum zwischen November 2007 und April 2011 rund 20 Einbrüche in Spielhallen und Elektronikmärkten begangen zu haben. Dabei sollen sie Geld und Waren im Wert von mehr als 300.000 Euro erbeutet haben.

Die „Spezialität“ der Männer war es offenbar, die Flachdächer der Gebäude aufzuschneiden und sich dann in die Verkaufsräume abzuseilen. Eine Sonderkommission der Polizei gab sich daher den Namen „EK Seil“. Einer der Ermittler beschrieb am Dienstag vor Gericht, wie man den Männern schließlich auf die Schliche kam.

Aufgrund der großen Menge erbeuteter Zwei-Euro-Münzen habe man sich bei Banken im Umkreis der Tatorte nach Einzahlungen von Münzgeld erkundigt. Dabei sei man auf einen der Angeklagten gestoßen, dessen Fahrzeug in der Folge mit einem GPS-Sender überwacht wurde. Aus abgehörten Telefongesprächen habe man dann die Verbindungen zum zweiten Angeklagten herstellen können.

Obwohl die Männer vor Gericht beharrlich schwiegen, hörte die Kammer doch stundenlang die Stimme eines der Angeklagten, als sie sich einige der abgefangenen Handygespräche vorspielen ließ. Aus den vielen privaten Unterhaltungen erfuhr die Kammer so nicht nur von den Schweißfüßen und Beziehungsproblemen eines der Angeklagten. In einem Telefonat sprach einer der Männer auch über die Beute und wie sich diese gewinnbringend in Polen anlegen ließe. Aber selbst hierdurch ließen sich die Angeklagten zu keiner Aussage hinreißen, leugneten gar, die Personen auf den Überwachungsfotos zu sein.

Augenscheinlich wurde am Dienstag auch, wie wenig Vertrauen die Angeklagten ihren Verteidigerinnen schenken. Statt sich mit ihnen zu besprechen, zogen es die Männer vor, dicht bei ihrem Übersetzter zu sitzen und sich mit ihren Fragen an ihn zu wenden. Wenig überraschend, da einer der Angeklagten in diesem Prozess bereits zwei Vorgänger seiner Verteidigerin abgelehnt hatte.

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